Tierprodukt, ich bin dir auf der Spur.

Vorwort:
Geplant war für heute ein Rezept für Dashi, da ergaben sich jedoch kleine Probleme, weshalb das Rezept jetzt als Rezeptsammlung am Samstag erscheinen wird. Heute gibt es stattdessen einen Artikel.

Wer beginnt sich vegan zu ernähren lernt ganz schnell Zutatenangaben zu lesen, statt wie zuvor einfach alles in sich hinein zu schaufeln, was man bekommen kann. Diese Angaben sind zwar nicht immer akkurat, da es auch sog. versteckte Tierprodukte gibt, welche innerhalb der Herstellung zwar verwendet werden, jedoch nicht als direkte Zutat anzusehen sind. Ein Beispiel dafür wäre zum Beispiel der mögliche Einsatz von Gelatine bei der Hefekultivierung, worüber ich bereits berichtet habe.
Auf vielen Verpackungen liest man jedoch auch den Hinweis „Kann Spuren von … enthalten.“. Dieser Hinweis ist ursprünglich als Allergiehinweis gedacht, kann aber auch eine Richtlinie für Veganer sein. Oft kommt es vor, dass man im Supermarkt steht und ein Produkt in Händen hält, das den Zutaten nach vegan scheint. Darunter steht dann aber sowas wie „Kann Spuren von Milch enthalten.“ Was bedeutet dieser Hinweis und warum wird das nicht unter den Zutaten gelistet?
Hersteller produzieren heutzutage in der Regel mehr als ein Produkt und zum Teil sogar deutlich unterschiedliche Produkte mit denselben Maschinen. Das macht die Sache billiger, da entweder keine, oder nur eine kleine Umstellung der Maschinen nötig ist, um die Produktion umzustellen. Nun muss man sich vergegenwärtigen, wie die Hersteller produzieren, nämlich zumeist in Serien. Das heißt, erst wird ein Produkt in großer Auflage produziert. Dann wird – meinetwegen nach einem Monat – die Produktion umgestellt auf das zweite Produkt und nach dem nächsten Monat wieder von vorn. Auf diese Weise müssen die Maschinen nur selten und kurz stillstehen. In dieser Zeit werden sie gründlich gereinigt und umgestellt.
Nun stelle man sich vor Produkt A enthält Milch als Zutat, Produkt B jedoch nicht. A wird einen Monat lang produziert, die Maschinen werden dann gereinigt und umgestellt auf B. Da der Hersteller hier nicht völlig ausschließen kann, dass alle Spuren der Milch tatsächlich während der Reinigung entfernt wurden, gerät er hier in einen Konflikt. Da Laktose-intolerante Menschen von B eventuell sie Symptome ihrer Laktose-Intoleranz bekommen könnten, falls diese Reste der Milch in das Produkt gelangen würden. Daher wird der Hinweis auf der Verpackung vermerkt.
Diese Reste können in wirtschaftlichen Unternehmen unmöglich entfernt werden, das würde enorme Kosten verursachen, da hierfür die ganzen Maschinen womöglich komplett demontiert werden müssten. Daher können sie im regulärem Reinigungsverfahren nicht gänzlich von Resten befreit werden. Die Maschinen sind dennoch sauber, keine Frage.
Was bedeutet das jetzt für alle, die sich vegan ernähren?
Eine streng vegane Ernährung verzichtet gänzlich auf Tierprodukte, so viel ist klar. Aber hier haben wir einen Konflikt: Einerseits ist das Produkt den Zutaten nach vegan, andererseits könnte es Spuren von Tierprodukten enthalten. Hier muss man sich einfach fragen, warum man sich vegan ernährt. Die meisten werden wohl zu dem Schluss kommen, dass sie ein Zeichen gegen Tierquälerei setzen wollen, die Intensivtierhaltung nicht unterstützen möchten, sich einfach gesünder ernähren wollen, es ethisch fragwürdig finden Tierprodukte zu verzehren, etc. Ich gehe davon aus, dass die wenigsten sagen werden, dass sie unbedingt alle Firmen die Tierprodukte verwenden in den Ruin treiben wollen. Und letztendlich ist das der springende Punkt. Nur Letzteres wäre ein Argument dafür auf das Produkt zu verzichten, bei allen anderen Argumenten (außer natürlich, wenn es wirklich um Allergien geht) ist es einerlei, ob da nun ein bisschen Milch drin sein könnte oder nicht.

1.    Es handelt sich nicht um eine Zutat. Mit dem Kauf erwerbt ihr kein Tierprodukt!
2.    Es handelt sich nicht um eine Zutat. Mit dem Kauf sendet ihr nicht das Signal „ich kaufe dieses Produkt von euch, weil es tierisch ist.“ Ihr sendet das Signal „ich kaufe ein nicht-tierisches Produkt“!
3.    Es handelt sich nicht um eine Zutat. Nicht jede, im Gegenteil: Nur wenige Packungen enthalten geringe Mengen des Tierprodukts.
4.    Solch extrem geringe Mengen (Spuren eben) sind gesundheitstechnisch irrelevant. Lediglich bei Allergien ist Vorsicht geboten.
Ritter Sport beispielsweise hat angegeben, dass in den wenigen Schokoladen ohne Tierprodukte die sie haben vereinzelt bis zu 0,4g Milchprodukte auf 100g enthalten sein können. (1) Das heißt, dass einige wenige Produkte „nur“ zu 99,6 % vegan sind. Ich bitte euch, 99 % vegan ist vegan genug, solange der Rest nicht explizit eine Zutat ist.
Solange das Ziel also nicht ist, alle Hersteller zu boykottieren, die irgendwie, irgendwo, irgendwann Tierprodukte verarbeiten, sollte man sich von Spuren nicht abschrecken lassen. Es sendet letztlich nur falsche Signale (nämlich dass das Produkt sich nicht verkauft, nicht, dass es sich aufgrund der Spuren nicht verkauft).

(1) http://www.ritter-sport.de/blog/2012/06/20/ritter-sport-neues-zur-veganen-schokolade/
Macht euch keine Hoffnungen. Ritter Sport ist auf dem Trip, dass nur 100% vegan auch vegan ist, wie ein neuerer Eintrag zeigt. Allerdings gibt es inzwischen wohl eine vegane Sorte mit Mandel und Erdbeere. (Siehe Kommentare.)

Irgendwie habe ich das Format für die Fußnote zerschossen und konnte es so nicht vernünftig kopieren. Naja, muss auch so gehen. Ich gewöhn mich jetzt mal an das neue Design des Dashboards…

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5 Gedanken zu “Tierprodukt, ich bin dir auf der Spur.

  1. vegane ritter-sport in mandel und erdbeer?? woher hast du die info? mein letzter stand war, dass es für ritter-sport zu teuer ist, vegane sorten abseits der bestehenden edelbitter, halbbitter und marzipan anzubieten

    • Bis ich den Artikel verfasst habe, hatte ich das auch so im Gedächtnis und das war auch durchaus im Januar so im Blog von Ritter Sport veröffentlicht wurden. (Da wurde unter Anderem auch gesagt es wäre zu teuer neue Maschinen anzuschaffen. Als mir das letztens beim Kauf einer Tafel RS Marzipan wieder eingefallen ist, hab ich diesen Artikel hier vorbereitet.)
      Bei den Nachforschungen für den Artikel bin ich auf folgenden Blogeintrag aufmerksam geworden:
      http://www.ritter-sport.de/blog/sorten/happy-cow/

      Und just in diesem Moment hab ich auch noch den gefunden:
      http://www.ritter-sport.de/blog/sorten/traumzauber/
      (Anmerkung: Ich liebe Vanille und ich mag Granatäpfel… Ich will die. Jetzt. xD)

      Weil dazu nichts weiter steht bin ich aktuell auch ein wenig ratlos was das zu bedeuten hat, zumal ich den Blog nicht regelmäßig lese und so nicht mit den lokalen Gepflogenheiten dort vertraut bin. Wie auch immer, ich gehe davon aus, dass das entweder künftige Sorten oder aktuelle Sorten sind. Ich habe jedoch beide noch nicht im Handel gesehen.

  2. […] »rausch schokolade vegan« Auch hier wurden die Suchenden sicher fündig, hier der Artikel: Rausch Schokolade Interessant ist vielleicht auch dieser über vegane Ritter Sport Schokolade, Spuren von Milch in die Schokolade kommen und warum das trotzdem vegan ist: Tierprodukt, ich bin dir auf der Spur […]

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