Ein paar Gedanken zur Jagd 1

Jäger habe ich als überaus sture Zeitgenossen im Gedächtnis. Leider stellen sie eine sehr engstirnige Gesellschaftsgruppe dar, was ihnen selbst zu allem Überfluss nicht einmal bewusst ist. Aber mangelnde Selbstreflektion fehlt ja vielen Menschen. Wie gesagt: Leider. Ich würde gerne mal mit einem aufgeschlossenem Jäger debattieren, aber alle die ich kenne sind wie gerade beschrieben.

Was mich an Jägern sehr stört, ist, dass sie ein Talent dafür haben ihre Tätigkeit einerseits zu verharmlosen und andererseits noch gesamtgesellschaftlich notwendig darzustellen. Wenn man nicht aufpasst, kommt am Ende dabei heraus, dass der Jäger so eine Art Retter der Menschheit ist. Ein Heiliger geradezu. Und da ich wie gesagt keinen kenne bei dem nicht alles darauf hinaus läuft habe ich so das Gefühl das ist wesentlicher Bestandteil der Ausbildung.

Bestandsbegrenzung
Beginnen wir mit dem bei weitem häufigstem Argument. Es wird häufig als Erstes geführt. Ich habe in meiner Schulzeit mal einen fehlgeleiteten jungen Rowdy erlebt, dessen Vater (?) Jäger war oder ist. Genau wie schlechte Angewohnheiten und Parteizugehörigkeit wird sowas scheinbar ganz gerne vererbt. Dieser arme Bursche hat jedem erzählt der es nicht hören wollte, dass allein durch die Jäger die Wälder nicht überquellen vor Wildtieren. – Klar, Genozid dient ja auch einem ähnlichem Zwecke, darum brauchen wir ganz dringend einen in jeder Region der Erde… (Sarkasmus-Alarm!)

Warum könnte man eigentlich auf die Idee kommen, wir würden Gefahr laufen zu viel Wild in den Wäldern zu bekommen, wenn wir keine Jäger hätten? Darauf hat der geübte Jäger eine treffliche Antwort: Es fehlt dieser Tage an Raubtieren. Das ist natürlich richtig, Wölfe und Bären beispielsweise haben wir leider kaum noch. Während es bei Bären ganz düster aussieht, gibt es ja noch die wage Hoffnung, dass sich Wölfe irgendwann wieder in Deutschland heimisch fühlen dürfen.
Aber in diesem Zusammenhang muss man dringend darauf hinweisen, dass Wölfe auch gerne mal „versehentlich“ erschossen werden. Wölfe dürfen in Deutschland nicht gejagt werden, aber Unfälle passieren immer wieder. Wir kommen darauf nochmal zu sprechen.

Und Bären? Was ist mit Bären? Nun ja… JJ1, oder auch Bruno genannt, war 2006 der erste Braunbär, den man seit über 170 Jahren in Deutschland gesichtet hat. Man hat ihn dann halt erschossen. Aber was hätte man auch tun sollen? Man hat zwar erst die Jagd erlaubt, das aber aus reiner Tierfreude und gar nicht auf Druck der Öffentlichkeit zurück gezogen. Und dann hat man immerhin vier Wochen versucht ihn lebend zu fangen. Mehr hat man nun wirklich nicht tun können. Man muss den Tatsachen ins Auge sehen: Der Bär war ein Problem und „es kam direkt auf uns zu!“
http://www.southparkstudios.com/clips/149674/its-coming-right-for-us

Drei Tage nach der Abschussfreigabe war sein, äh ich meine natürlich das Leiden der Menschen beendet. Wen wundert es denn, dass wir so wenige Wildtiere in Deutschland haben, wenn diese erschossen und tlw. sogar gejagt werden? Das lässt im Grunde nur eine Schlussfolgerung zu: Der Mangel an Wildtieren ist keine Ursache, es ist ein Symptom! Ohne Jäger hätten wir mehr Wildtiere: Die Alten wären noch da und die neuen würden keinen Jagdunfällen zum Opfer fallen.
Aber dass unsere Wälder ohne Raubtiere und Jäger komplett überfüllt wären, darf stark bezweifelt werden. Irgendwann gibt es einfach kein Nahrungsangebot mehr, woraufhin Tiere sterben, was wiederrum die Anzahl begrenzt. Ganz ohne Raubtiere. Die schwächsten Tiere würden dann zuerst verenden. Das ist ethisch nicht minder schrecklich, aber der natürliche Lauf des Lebens.

Fortsetzung folgt.

Ich wollte das eigentlich in einem Teil rausbringen, aber dann war plötzlich Samstag. Nun wird es (voraussichtlich) ein dreiteiliger Post. Dies läuft wieder unter „Mein Standpunkt“, statt unter Magazin. Also vorsicht: Politisch inkorrekt und überaus polemisch. Jäger, beweist mir das Gegenteil und hört auf euch als Retter der Menschheit darzustellen! –  Welcher Jäger wird denn schon Jäger weil er den Bestand begrenzen will? Also ehrlich, das klingt nicht nur in meinen Ohren wie eine billige Rechtfertigung, oder? „Um einmal im Jahr ein Stück Rehrücken mit Apfelrotkohl zu essen“ würde ich eher akzeptieren als das.

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