Obst, Gemüse und Tomaten

Obst, Gemüse, Tomaten

Kollegin Mausflaus hat kürzlich über Tomaten berichtet: http://vollvegan.blogspot.de/2013/07/lieblingsgemuse-tomaten.html
Daraus entstand bei einigen die Frage: Was ist eigentlich Obst und was ist Gemüse? Nun, die klassische Einteilung von Obst und Gemüse ist alt. Ich würde sogar sagen, sie hat sich selbst überlebt. Die Unterscheidung ist nämlich ungenau und wissenschaftlich betrachtet manchmal sogar willkürlich. Man kann nicht einfach sagen: Was süß ist, das ist Obst und alles andere ist eben Gemüse. Das ist unwissenschaftlich. Wie macht man es stattdessen? – Es wurden viele Regeln aufgestellt, keine davon trifft immer zu. Ost kommt aus einer Blüte und ist mehrjährig, Gemüse dagegen aus Wurzeln und Blättern; Obst an Bäumen, Gemüse am Boden, etc. Die Regel, welche am häufigsten zutrifft, ist, dass Obst mehr- und Gemüse einjährig ist. Aber auch die trifft nicht immer zu.
Wie kommt es, dass man so viele und noch mehr Regeln hat? – wissenschaftlich gesehen braucht man zur Klassifizierung mehr als ein Kriterium, um sicherzugehen. Mit nur einem Kriterium ist man meist nicht gut dabei. Ein Beispiel: Würde man sagen: Lebewesen haben einen Stoffwechsel (Punkt), so wären Autos Lebewesen, denn wenn man Benzin hineingibt, kommt kein Benzin mehr heraus = Stoffwechsel. Ein einziges Kriterium funktioniert also nicht.
Das Problem bei der Einteilung Obst und Gemüse ist aber, dass man auch mit mehreren Regeln nicht an ein Ziel kommt, weil eine einzelne Regel schon einiges rauskickt, was nicht rausfallen darf. Sprich: Die Regeln bauen nicht aufeinander auf. Wie kommt das eigentlich? Nun ich habe eine Theorie, aber keine Beweise: Wenn man in einer kleinen Welt nur Äpfel und Gurken kennt, dann kann man (ganz willkürlich auf Geschmacksbasis) einteilen: Das eine ist Obst, das andere ist Gemüse. Jetzt bringt einer aus den Subtropen eine Melone mit. Diese hat Eigenschaften ähnlich der Gurke, aber geschmacklich ist sie dem Apfel ähnlicher. Statt die alte Einteilung Obst und Gemüse über den Haufen zu werfen und was Stimmigeres zu finden macht man aber damit weiter. Der Mensch ist halt faul, und wie der gute Barlow schon sagte: „Konsequenz heißt auch Holzwege zu Ende zu gehen.“

Und wie kann man die Einteilung Obst und Gemüse jetzt doch noch retten? Oder muss man sie sterben lassen? – Ganz einfach! Wir müssen aufhören diese Kategorien als Kategorien zu sehen. Mit Wissenschaft kommt man da nicht weiter, wir brauchen Menschenverstand: Wenn ich einen Apfel so esse, dann esse ich ihn als Obst, mache ich daraus Nudelsauce esse ich ihn als Gemüse. Wenn ich sonnengereifte italienische Tomaten sehe und direkt rein beiße esse ich sie als Obst (sie heißt nicht umsonst auch „Liebesapfel“, wenn ich mir Sauce Napoli mache, esse ich sie als Gemüse.

Und jetzt endlich zu den Tomaten. Da kann ich Mausflaus erstmal beruhigen: Auch nach ausgiebigen Tests konnte ich nicht erkennen, dass Fleischtomaten ein wie auch immer geartetes tierisches Verhalten an den Tag legten. XD
Aber dass die Tomate so beliebt ist, dass sie auf Platz 1 der „Gemüse“ steht, das hat mich erst überrascht. Aber da hatte ich Tomatensauce usw. noch nicht auf dem Schirm. Damit wird es klarer, denn die Tomate eignet sich hervorragend für eine Vielzahl von Anwendungen.
Aber gleich wurde ich wieder stutzig: Ein Drittel der Tomaten verzehren „die Deutschen“ roh? Also isst jeder Deutsche 7 kg rohe Tomaten pro Jahr? Das ist ja ekelhaft! Leute, wie könnt ihr Tomaten in Deutschland roh essen? Diese Kombination aus Wasser und säure, die die ganze Mundflora zerstört, esst ihr tatsächlich so? Oder wisst ihr einfach nicht, wie Tomaten schmecken müssen? Hier ein Update: Das Zeug, das ihr Tomaten nennt, kommt zum Großteil aus Südspanien, wo sie in riesigen Gewächshäusern mit Hybridsamen gezüchtet werden. Das Zeug schmeckt nach gar nichts, außer eben Wasser und Säure. Bio Tomaten sind etwas besser, unabhängig von der Herkunft haben die immerhin noch ein bisschen Geschmack, da keine Hybridsaat verwendet wird. Ist doch so, oder? Ja natürlich. Wenn ihr das denkt, dann denkt nochmal!: http://www.kultursaat.org/pdf/biohandel08.pdf
Aber auf dem Markt…!? Na klar, mit Glück ergattert man da ein paar Tomaten aus fester Saat, aber die sind teurer. Geschmacklich besser, aber noch nicht gut. Ich muss euch enttäuschen: In Deutschland findet man fast nie Tomaten, die schmecken, wie eine Tomate schmecken muss. Ich werde euch mal kurz entführen:

Ihr steht in einem Garten, um euch herum duftende Blumen, auf einem Hügel ein kleines Haus im mediterranem Stil, im Hintergrund Olivenbäume. Die Sonne steht hoch am Himmel, es ist warm aber nicht unerträglich. Ihr streckt die Hand aus, haltet sie an den Strauch direkt unter eine Tomate. Allein vom Windhauch fällt die Tomate vom Strauch in eure Hand. – DAS ist eine Tomate. Tomaten kommen am besten aus Italien und werden so reif geerntet, dass man gar nicht mehr von pflücken sprechen kann. Erst dann ist es eine Tomate. Und weil ich weiß wie die Dinger schmecken, esse ich in Deutschland fast nie welche. Wo ihr auf 7 kg kommt, schaffe ich keine 200 g. Aber da ich gerade eine Toga trage bin ich von der Statistik eh nicht erfasst, da ich per Definition römischer Bürger bin… Oder so ähnlich. XD
Aber: Don’t Panic! Es gibt einen Ausweg: Dosentomaten. Mausflaus hat in einem Kommentar schon gesagt, dass egal, was draufsteht, die auch importiert sind. Das ist natürlich völlig richtig, aber schlecht ist das nicht, ganz im Gegenteil! Das deutsche Klima eignet sich einfach nicht so richtig für Tomaten. Import ist daher eine gute Lösung. Das Problem an der Sache ist nur, dass die Tomaten Matsch sind, wenn sie reif geerntet und dann erst importiert werden.
Und da wird das Argument für Dosentomaten schlagend: Sie werden so reif geerntet, wenn die noch reifer wären, würden sie platzen; da sie vor Ort konserviert werden, ist ihre Reise durch die Welt dann einerlei.

Natürlich gibt es auch da Unterschiede, nicht jede Sorte schmeckt gleich. Am besten ist meiner Ansicht nach „San Marzano“. Eine Sorte, die auch von Spitzenköchen verwendet wird. Sie sind wunderbar intensiv im Geschmack und mit ihnen wird alles perfekt. Die preiswertere Alternative sollen angeblich die von „Vitale“ sein, die finde ich aber leider nirgends zu kaufen. In Sachen passierte Tomaten empfehle ich ganz klar die Tetra-Pak-Tomaten von Aldi. Die sind so günstig, da kann man gerne mal seine 21 kg an einem Tag kaufen und hat dann laut Statistik ein Jahr lang genug. Es mag bessere geben, aber bei dem Preis-Leistungs-Verhältnis stelle ich keine Fragen mehr.
Wenn man doch frische Tomaten nehmen muss (das lässt sich ja manchmal nicht vermeiden), dann sollte man nach Möglichkeit Kirschtomaten bzw. Cocktailtomaten nehmen. Die haben auch in Deutschland einen besseren Geschmack. Wenn das nicht geht, hilft nur noch eine priese Zucker über die Tomaten zu geben; idealerweise nach dem Schneiden. :-P
Apropos, wie schneidet man eigentlich Tomaten? Wer diese Frage stellt, hatte noch nie ein richtiges Messer in der Hand. Bitte ein Vernünftiges kaufen und niemals in die Spülmaschine tun, dann kann man auch Tomaten ohne Drücken und Quetschen schneiden.
Und zum Abschluss noch ein Wort zur Lagerung der Tomaten: Man sollte sie weit weg von anderem Obst und Gemüse lagern (genau wie Äpfel). Die Tomaten emittieren nämlich Ethen. Das ist genau das Gas, welches man benutzt um alles Mögliche was hier unreif ankommt nachzureifen. Auch das Ethen der Tomaten wird den Reifungsprozess von allem um die Tomaten herum beschleunigen, bis ihr einen so reifen Salatkopf habt, dass er schon braun und matschig ist. Gezielter Einsatz ist aber auch möglich. Wieder mal nur grüne Bananen bekommen? Einfach Tomaten dazu legen und die Bananen werden schneller reif sein.

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3 Gedanken zu “Obst, Gemüse und Tomaten

  1. uh, das bringt einiges licht ins dunkel – danke! sry übrigens dass du von dem anderen kommentator so doof angemacht wurdest, dabei hast du nur infos gegeben.
    mir schmecken auch total gut roh – ja, auch die wässrigen holländischen riesentomaten! mit petersilie, salz, pfeffer und öl-essig gibt das nen leckeren salat. und es gibt alle möglichen nahrungsmittel, die an sich nach nix schmecken: nudeln, kartoffeln, mozarella, tofu… isst man ja alles nicht ungewürzt. und die sind im sommer auch ein super durstlöscher; ich nenn es immer „wasser in kugeln“ weil sie zu 95% aus flüssigkeit bestehen ^^
    ich bin auch kein import-verweigerer; ich schau aber schon darauf, dass sie möglichst nicht aus übersee kommen. bei spanien/italien ist glaube ich problematisch, dass die so krasse bewässerungssysteme haben, die das letzte bisschen grundwasser aus dem verdörrten boden pumpen und auf die tomatenfelder verteilen, während die restliche fauna eingeht.
    lg mausi

    • Uhm, ich hab bei dir gar nicht kommentiert, nur hier bei mir. ^^ Und selbst wenn: Ist ja nicht deine Verantwortung wenn andere Leute unhöflich sind. Ich jedenfalls habe mich hübsch raus gehalten. Wenn kommentiere ich immer als SalieriC.

      Um es mit den sinngemäß wie Treibe-mich-selbst-in-den-Ruin Schnapper* zu sagen: (Natur-)Tofu soll keinen Geschmack haben, das erwartet man von ihm.
      Von Tomaten darf man hingegen sehr wohl einen Geschmack erwarten.Würzen ist da gut und schön, aber selbst danach schmecken die für mich immernoch nach Wasser mit zu viel Säure und Balsamico drüber. xD Aber vielleicht bin ich einfach zu verwöhnt von den Tomaten die ich in Italien hatte, kann natürlich sein.

      Ich weiß nicht wie die Situation in Italien ist, leider. In Spanien jedenfalls stehen im Süden des Landes Gewächshäuser die so groß wie Städte sind. Da werden die Tomaten mit diesem Granulat aus Hybridsaat gezüchtet und das schmeckt man auch. Der Film „We feed the World“ ist da ganz interessant, falls du ihn noch nicht kennst.

      – – – – – – – – – – – – – – – –
      *Charakter aus diversen Scheibenwelt-Romanen. Zu seinen größten Leistungen zählt Würstchen mit unbekannten Inhalt u. A. mit Senf so zu präperieren, dass die Leute sie trotz aller Bedenken kaufen und essen. xD

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