Grüne fordern verpflichtenden „Veggie Day“ in Kantinen

Was soll ich dazu noch sagen? – Das ist eine der dümmsten Ideen, die ich seit langem gehört habe!Es widerspricht allem wofür ich stehe; umso froher bin ich nie die Grünen gewählt zu haben. Ja, Deutschlands Fleischkonsum ist zu hoch! Und ja, eine Ernährung ohne Fleisch ist ökonomischer, nachhaltiger und gesünder!

Seit der ersten Stunde dieses Blogs vertrete ich ein klare Linie: Alles was den Leuten das Gefühl vermittelt, dass man sie bedrängt geht mit absoluter, metaphysischer Gewissheit1 nach hinten los. Menschen wehren sich wehement gegen alles was sie unmittelbar in ihrem täglichem Leben einschränkt. Sowas Es mag kein Zwang zum Verzicht auf Fleisch zu sein, das stellte Frau Göring-Eckardt ja klar. Natürlich kann man einen Tag in der Woche die Kantine wechseln, aber das Gefühl zu etwas gedrängt zu werden bleibt natürlich. Und das ist der springende Punkt: Das Gefühl zu etwas gedrängt zu werden löst sofort Alarm aus und man blockiert sofort alles was da noch an guten Argumenten kommen könnte. PETA hat das bis heute nicht verstanden.
Und mal ehrlich: Gutes vegetarisches oder veganes Essen in einer Kantine? Okay, vegetarisch vielleicht gerade noch. Aber gutes veganes Essen in einer Kantine? Die meisten Einrichtungen dürften damit komplett überfordert sein, wenn es nicht gerade ein Gericht ist, das von Haus aus vegan ist, wie etwa Spaghetti mit Sauce Napoli (wobei selbst da dürfte schon Butter drin sein).
Die Reaktion der Bild-Zeitung belegt das, die schürt ja sofort das Feuer, damit es auch schön lodert.

Wenn man so etwas wirklich machen möchte, muss man einen anderen Weg gehen. Etwa staatliche Unterstützungen anbieten, wenn eine Kantine nur noch ein konventionelles Gericht am Tag anbietet und dafür ein breites Spektrum an vegetarischen und veganen Speisen. Aber Verbote sind natürlich billiger. Insofern muss man den Grünen natürlich die Hand schütteln: Immerhin protzen sie nicht mit Versprechungen, die aufgrund fehlender pekuniärer Mittel nicht realisiert werden können.

Die Stimmen der anderen Parteien sind aber teilweise auch nicht besser. So stellt Ilse Aigner (amtierende Bundesernährungsministerin, CSU) fest: Zu einer „ausgewogenen Ernährung“ gehöre auch Fleisch. Mal abgesehen davon, dass dieses Statement völliger Blödsinn ist und die Frau damit ihre Inkompetenz unter Beweis stellt2, so sind sechs Tage Fleisch in der Woche doch sicher ausreichend. Denn die Rede war ja von nur einem Tag.

So long.

Nachtrag: Ganz vergessen: Das Beste Mittel das wir haben ist natürlich Aufklärung und das geht natürlich nicht mit solchen Aktionen.

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/veggie-day-gruene-wollen-fleischlosen-tag-in-kantinen-12397473.html (abgerufen am 05. August 2013)

1Das ist aus Watchmen.

2Nein, ich mag die CSU nicht, aber eine ausgewogene Ernährung benötigt definitiv kein Fleisch.

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2 Gedanken zu “Grüne fordern verpflichtenden „Veggie Day“ in Kantinen

  1. im artikel steht „Einmal in der Woche soll in deutschen Kantinen ausschließlich vegetarisch und vegan gekocht werden.“
    also es muss nicht zwingend vegan sein, vegetarisch reicht. und das ist jetzt keine unerfüllbare forderung. und was bevormundung angeht: das wird in vielen anderen bereichen gemacht, und ist da überhaupt kein problem. zb ist es vorschrift, dass es mindestens ein nichtalkoholisches getränk geben muss, was billiger ist als ein alkoholisches. oder es ist verpflichtend, dass eine gaststätte ab einer bestimmten größe toiletten, und zwar getrennte, hat. oder es muss zb auch behindertenparkplätze geben. und e10 ist uns auch einfach vorgesetzt worden. und letzteres mit der begründung klimaschutz – insofern gut vergleichbar mit dem veggieday, der ja auch ein beitrag zum klimaschutz wäre.
    von einem zwang ist sowieso überhaupt nicht die rede, nur von einer staatlichen förderung: „Zwang hin zum Veggie Day solle es keineswegs geben, betonte Göring-Eckardt. Allerdings könne sie sich vorstellen, dass die Politik es fördere, wenn der Speiseplan an diesen Tagen abwechslungsreich gestaltet werde.“
    und das ist doch super. bio wird ja auch gefördert, wieso nicht gesundheitsbewusstes, tierschutzgerechtes, klimafreundliches essen?

    • Deine Beispiele sind so weit von dem „veggie day“ entfernt, wie man es sich nur vorstellen kann. Du vergleichst hier Äpfel mit… Glühbirnen. – Die Sache mit dem E10 wäre vergleichbar, wenn man a) jeden Tag tanken müsste und b) an einem Tag die Woche ausschließlich E10 angeboten werden würde. Aber so gehen alle deine Vergleiche komplett an der Sache vorbei, weil nichts davon eine unmittelbar einschränkende Auswirkung auf den Kunden hat. Was hier geplant ist betrifft aber nicht nur den Kantinenbetreiber inkl. Personal, sondern vor Allem die Besucher der Kantine, indem man ihnen das Recht abspricht an einem Tag in der Woche zwischen konventionell und vegetarisch zu wählen. Denn Sinn dieses „Veggie day“ ist doch, dass es einmal die Woche kein Fleisch im Angebot gibt. Na klar, man kann sich immernoch was von zuhause mitbringen oder die Kantine wechseln, aber der Drang bleibt bestehen und das ist fast immer schlecht, weil es immer so eine riesen Empörung hervorruft. Und damit werden die Menschen von der vegetarischen Ernährung eher entfremdet. Wie gesagt ist das der Knackpunkt. Mit der Akzeptanz der Menschen steht und fällt alles. Du hast letztens erst von der Umfrage berichtet, die ergründete wie viele Vegetarier, Flexitarier, Veganer usw. es gibt. Daraus geht hervor, dass je niedriger der Bildungsstand ist, desto mehr Fleisch wird konsumiert. Das sind genau die Leute, die Bild lesen und automatisch gegen alles sind was auch nur einen noch so leichten Beigeschmack von Zwang hat. Diese Menschen erreichst du keineswegs mit solchen Aktionen. Nur Aufklärung kann hier helfen, sonst nichts. Aufgeschlossene und völlig wertneutrale Aufklärung. Das ist ein Prozess, der innerhalb einer Generation wenig Wirkung zeigt, aber mit jeder neuen Generation effektiver wird.

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