Farm 432

Gerade gelesen: Eine gewisse Katharina Unger hat ein Gerät namens »Farm 432« erfunden. Es handelt sich dabei im Prinzip um einen Kasten wie man ihn für die Kresse-Zuckt kennt. Nur werden mit diesem Ding Fliegen gezüchtet. Genau, Fliegen. Diese lästigen Dinger die wir zu hauf in der Wohnung rumfliegen haben sobald der schöne Winter geht und der grausame Sommer kommt. Nicht ganz, diese Farm soll die schwarze Soldatenfliege züchten, deren Larven offenbar ganz köstlich sein sollen.

Aber um den geradezu abartigen Geschmack der Frau Unger geht es gar nicht, eher um ihre Begründung für diese Innovation. Frau Unger spricht nämlich von erhöhtem Fleischbedarf. Die Fleischproduktion müsse sich bis 2050 verdoppeln um den Bedarf zu decken. 10 Kg Futtermittel würden nur 1000 g Rindfleisch oder 3 Kg Schweinefleisch oder 5 Kg Hühnerfleisch ergeben. Zumindest stimmt, dass es ineffektiv ist pflanzliche Nahrung zu verfüttern; Veganer wissen das schon lange. Aber Frau Unger hat einen tollen Plan: die proteinhaltigen Larven sind scheinbar die Alternative zu Fleisch, denn mit 10 Kg Futtermittel bekäme man 9 Kg Insekten heraus.

Toll. Fantastisch. Bahnbrechend. Nicht. Hier das Update: 10 Kg Futtermittel ergeben 10 Kg Nahrungsmittel. Bei veganer Ernährung. Und dafür würden sogar heimische Felder ausreichen. Mit veganer oder wenigstens teilweise veganer Ernährung kann sich die Menschheit noch über lange Zeit hinweg ernähren. Mit den verfügbaren Ressourcen. Und die Idee einer veganen Ernährung ist – zumindest hierzulande – noch weniger abwegig als sich von Larven zu ernähren.
Den wahren Nutzen dieses Gerätes (welches nach einem postmodernem Sextoy aussieht) hat die Erfinderin selbst nicht erfasst: einige Interessenten in Raumfahrt und Medizin möchten damit Insekten züchten die Brandwunden versorgen. McCoy hat ausgedient, jetzt kommt das Sextoy, ich meine natürlich die »Farm 432«.

Die Präsentation des Sextoys ist übrigens auch ganz prächtig. Im Video zur Funktionsweise schlüpfen die Insekten aus der »Birthday Box« und schwirren dann in diesem Insektenknast mit »Homey Smell« und »Water« und »Baby Tube« herum. Oh ja, der Insektenknast ist übrigens der »Fly Fun Park«. Warum? Ich kann nur mutmaßen, denn wie die roten Herzchen andeuten sollen, machen die Fliegen darin Liebe (Sextoy, ich sag’s ja). Das ist natürlich eine bescheuerte Verharmlosung von dem was man Kopulation nennt. Die Fortpflanzung der meisten Tiere hat nichts mit Spaß zu tun. Teilweise ist es sogar ein brutales Spiel, das mit dem Tod eines Geschlechtspartners endet. »Safe, sane and consensual« ist also doch auch nur ein menschliches Konzept, damit beim BDSM Spielchen eben keiner Schaden erleidet.
Wie auch immer, die Larven landen jedenfalls in der Röhre und werden in den »Kindergarden« abtransportiert. Noch so ein menschliches Konzept… Dann geht’s üder die »Stairway to Larve Heaven« aufwärts. (Also ehrlich! Muss man auch noch Led Zeppelin mit in diesen Sumpf zerren?) Und dann? Ja dann… Dann stürzen die Larven in die »Harvest Box«. Ich nenne sie aber lieber Larve Hell. Dort werden sie vom Menschen genommen und gefressen. Und dann ist alles hinfällig was zuvor so hübsch human dargestellt wurde! Dabei wird auch deutlich was mit »Larve Heaven« eigentlich gemeint ist: nichts weiter als der Tod. Apropos Tod, was passiert eigentlich mit den Fliegen? Während die Larven im »Kindergarden« (das wird nicht übersetzt verdammt, Kindergarten bleibt Kindergarten!) kommen die adulten Insekten in die »Death Trap and Toilet«. Erinnert mich an »Mord auf dem Abort« von Versengold.

Jetzt mach ich erstmal ein- bis zweihundert Facepalm und begebe mich dann in meine Todesfalle. Ich habe auch schon die eine oder andere Fliege totgeschlagen, aber diese Farm – ich nenne es Massenvernichtungsanlage (und natürlich Sextoy) – ist doch wirklich etwas viel für meinen empfindlichen Magen.

So long…

Quelle: http://www.kunger.at/161540/1591397/overview/farm-432-insect-breeding

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2 Gedanken zu “Farm 432

  1. Ich frage mich, ob die Übernahme menschlicher Konzepte dazu beitragen soll, dass einem die Insekten appetitlicher erscheinen. Und ob das bei anderen Tieren nicht funktioniert, weil die den meisten gefühlsmässig schon zu nahe sind und eine weitergehende „Vermenschlichung“ sie eher unappetitlicher erscheinen lassen würde (so à la Haustiere).

    • Wenn das das Ziel sein sollte wird man damit böse auf die Schnauze fallen. Anthropomorphisierung wird im Marketing eingesetzt um den Eindruck zu erzeugen, der Gegenstand sei ein Verbündeter, ein Kamerad. Gerade bei Autos wird das immer sehr gerne gemacht. Ein Auto mit „bösem Blick“ und ein Mann der sich ganz auf die Karre verlässt, das geht immer.
      Bei Tieren soll häufig Mitgefühl erzeugt werden. Die Katze ist nur dann glücklich wenn sie das teure Futter aus der Aluform bekommt und damit der Hund nicht mehr so traurig guckt muss man spenden, denn dann bekommt er Gott weiß was. Das macht sich natürlich gern die ein oder andere Tierrechtsorganisation zunutze. Daher ist das hier wohl nicht der Sache dienlich.
      Ich glaube es geht primär um verharmlosung und/oder verniedlichung. Nach dem Motto:
      Was denn? den Fliegen geht’s doch super, sie fliegen herum, haben ein Klima wie zuhause und Spaß zu zweit. Das Gerät bietet ihnen ein tolles Leben und im Gegenzug haben wir dann auch das Recht davon durch Nahrung zu profitieren.
      Also auch eine Rechtfertigung. Das ist zumindest was ich nach einigem drüber Nachdenken glaube. Ich werde nochmal andere Meinungen einholen. Über weitere Vermutungen wäre ich auch froh. Vielleicht liege ich ja auch komplett falsch. Spannend ist das Thema allemal.

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