Artikel über Veganismus auf Chefkoch

Gestern war auf der Startseite von www.chefkoch.de ein Link zu einem Artikel über Veganismus. Sirid Ellermeyer behauptet: »Veganer sein – eine Frage der Einstellung.«

Chefkoch hat bereits früher über verschiedene Ernährungsweisen berichtet, die Vegane kam da auch kurz zur Sprache, einen eigenen Artikel über Veganismus gab es bislang jedoch nicht. Da die Chefkoch Community bereits einige vegane Mitglieder hat und sich in der Datenbank eine Reihe Rezepte befnden die explizit vegan sind, war dies wohl längst überfällig.
Der Artikel beschreibt in aller Kürze was die vegane Ernährungsweise ist und welche Probleme mit Omnivoren auftreten. Die Schwierigkeiten und Gründe für eine vegane Ernährung werden kurz aufgezeigt und eine Tabelle mit einigen Alternativen findet ebenfalls ihren Platz.

Der Artikel ist leider nicht sehr umfangreich, berichtet in der Kürze jedoch recht gut, was die vegane Ernährung ist und worauf ganz allgemein zu achten ist. So sagt Frau Ellermeyer: »Wer sich entscheidet, Veganer zu werden, sollte sich allerdings mit Ernährungsthemen beschäftigen, sich regelmäßig von einem Arzt untersuchen lassen und auf seine Vitamin B12- und Eisenzufuhr achten.« Eine Aussage die ihrem Wesen nach zwar richtig, im Grunde jedoch obsolet ist. Niemand entscheidet sich dazu sich vegan zu ernähren, wenn er sich nicht ohnehin mit Ernährungsthemen auseinander setzt. Im Gegenteil sind auf der Seite der Omnivoren diejenigen die radikalsten Gegner, die von Ernährung eben keine Ahnung haben. Das macht Veganismus auch zu einer Errungenschaft der Bildungsgesellschaft. Ebenfalls wird hier verschwiegen, dass eine regelmäßige ärztliche Untersuchung eher für Omnivoren ratsam wäre. Die meisten gesundheitlichen Probleme entstehen ja gerade durch eine gedankenlos omnivore Ernährung. Mit einem Mangel an Vitamin B12 oder Eisen ist zwar nicht zu spaßen, aber ich behaupte, dass Gallensteine und bestimmte Krebsarten doch etwas schlimmer sind, als ein Mangel, der leicht durch Ergänzung aufgehoben werden kann. (Kasein etwa hat sich in vielen Studien als krebserregend erwiesen. Quelle: Dr. med. Ernst W. Henrich, »Vegan – Die gesündeste Ernährung«)
Weiterhin warnt der Artikel vor einem Mangel an Proteinen: »Auch auf die hinreichende Einnahme von Proteinen muss ein Veganer achten – Sojaprodukte wie Tofu und Hülsenfrüchte können hier eine Hilfe für den Veganer sein.« Dabei handelt es sich meines Erachtens um eines der häufigsten Vorurteile überhaupt. Selbst die Serie »How I met your Mother«, greift dieses Klischee auf und stellt damit eindrucksvoll unter Beweis wie wenig die Drehbuchautoren von Lebensmitteln wissen. Proteine sind kein Nährstoff den Tierprodukte gepachtet haben. Wie Frau Ellermeyer erwähnt enthält die Sojabohne eine unfassbare Menge Eiweiß, jedoch auch viele andere Pflanzen müssen sich da nicht verstecken: Kartoffeln, Reis, Weizen, Mais und Bohnen enthalten viele Proteine.
Schade, dass der Artikel den Schwerpunkt auf vermeintliche Probleme der veganen Ernährung legt und kaum darüber informiert wie gesund diese ist. So heißt es in dem Artikel etwa: »Diejenigen Vegetarier, die vorrangig auf ihre Gesundheit achten wollen, werden kaum Veganer: Zwar kann man sich durchaus gesund vegan ernähren, aber es erfordert viel Aufwand und Willenskraft dauerhaft Veganer zu sein.« Und das ist der größte Unsinn den ich in dem Artikel finden konnte. Die vegane Ernährung ist gerade gesund! Nicht »zwar«. Vegetarier neigen dazu sich sehr auf Milchprodukte zu stützen. Da diese eine Sucht verursachen ist das auch nicht anders zu erwarten. Sahne, Käse und auch Eier gehören zu den cholesterinreichsten Nahrungsmitteln überhaupt. Gallensteine, Herzkrankheiten, Schlaganfälle, sogar ein erhöhtes Krebsrisiko kann auf eine cholesterinreiche Ernährung zurückzuführen sein. Ich selbst habe aus gesundheitlichen Bedenken begonnen mich vegetarisch zu ernähren und zwar immer mit dem Ziel mich vegan zu ernähren vor Augen. Die gesundheitlichen Vorteile sind tatsächlich mein Hauptgrund und -argument für diese Ernährungsform. Der Rest kommt ohnehin von ganz allein und ist völlig unwillkürlich. Wer also nicht überzeugt ist, der wird es sein, sobald er beginnt sich vegan zu ernähren.

Auch Differenzen mit Omnivoren bleiben in dem Artikel nicht ungenannt. Frau Ellermeyer beschreibt, dass es erst zu Problemen kommt »sobald die eigene Ernährungsweise mit geradezu religiösem Eifer verfolgt wird« gesteht jedoch auch ein, dass dies »sowohl bei Veganern als auch bei Fleischessern der Fall sein« kann. Dieser letzte Zusatz ist wichtig. Denn viele Allesfresser attestieren mir regelmäßig, dass ich ja so ein böser Schuft sei, der ihnen verbietet sich zu ernähren wie sie wollen. Dabei sage ich lediglich, dass der Konsum dieser großen Mengen Fleisch und Käse, wie es im Westen üblich ist, sehr gefährlich ist. Eine Tatsache die nicht von der Hand zu weisen ist. Dennoch wollen sich viele daraufhin geradezu angesprochen fühlen. Sie lieben es die Kanonen abzufeuern, sobald der erste Spatz am Horizont erscheint. Es gibt auf beiden Seiten viel Sprengstoff.

Abschließend lässt sich sagen, dass der Artikel in seiner Gesamtheit einen guten Eindruck macht, jedoch auch einige Punkte dramatisiert oder offen lässt. Es wird nicht zwischen veganer Ernährung und veganer Lebensweise unterschieden, das ist bedauerlich. Probleme werden aufgezeigt, Lösungen auch, den Vorteilen wird meines Erachtens jedoch zu wenig Beachtung geschenkt. Und wenn die Argumente für die vegane Ernährung genannt werden, bleiben gesundheitliche Aspekte völlig auf der Strecke. Der Artikel geht hauptsächlich auf die moralischen Gründe ein. Das ist zu kurz gegriffen und ein Klischee.
Dieser Artikel ist eindeutig ausbaufähig, aber es ist schön, dass der vegane Ernährung bei Chefkoch etwas mehr Beachtung geschenkt wird.

Disclaimer: Ich bin nicht Eigentümer von Chefkoch.de. Für alle Inhalte von Chefkoch.de und allen Unterseiten kann ich keine Haftung übernehmen. Ich versichere, dass mir zum Zeitpunkt der Verlinkung (02. November 2013; 03:07 Uhr) keinerlei rechtswidriger Inhalt bekannt war. Sollte mir solcher bekannt werden, so wird die Verlinkung sofort entfernt.

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