Restaurantkritik: Badsha in Braunschweig

Bei dieser Kritik muss ich mich ordentlich zusammenreißen um nicht die neue (das heißt mir unbekannte) Form des Bewertungsbogens in Grund und Boden zu reden. Was hat sich RK bei diesem Murks gedacht?

Ganz und gar kein Murks ist dagegen das Badsha in Braunschweig. Ein unscheinbares Restaurant mitten im Magniviertel.
Beim Betreten fällt zunächst die Einrichtung auf, welche vornehmlich in Erdtönen gehalten ist. Einige Hinweise auf die indische Nationalität der Einrichtung lassen sich finden, die meisten gehen jedoch dezent unter, was für mich ein positiver Aspekt ist, da das Restaurant so nicht überladen wirkt. Dies kommt dem Gebäudeschnitt entgegen, der sehr breit statt tief ist.
Zwar fehlt der Einrichtung ein modernerer Anstrich aber dies macht die freundliche Bedienung mehr als wett. Der Ober ist ein Original. Ein Inder dem Aussehen nach und – ohne in Klischees verfallen zu wollen – mit eben solcher Mentalität: freundlich und gelassen. Sehr angenehm. Doch ist man im Badsha nicht von gestern; aber dazu komme ich noch.
Die erste kleine Enttäuschung: die Karte ist riesig. Wer nicht ungefähr weiß was er möchte wird erschlagen mit den unterschiedlichsten und zweifellos wundervollsten Gerichten der indischen Küche. Für mich ist es einfach: ich blättere vor bis zu der vegetarischen Karte. Diese ist wie erwartet umfangreicher als in vielen anderen Restaurants. Der Hinduismus legt die vegetarische Ernährung nahe. Doch wer Fleisch und Fisch möchte wird ganz sicher nicht enttäuscht. Wer nur eine vage Vorstellung von der indischen Küche hat, sollte jedoch um eine Empfehlung bitten, ich bin sicher der Ober kann hier hilfreich zur Seite stehen. Die Karte dürfte und könnte locker um die Hälfte reduziert werden.
Die Getränke werden in angenehmer Zeit gebracht und die Bestellung wird aufgenommen. Wie bereits erwähnt ist das Badsha nicht von gestern. Ich ernähre mich seit einiger Zeit vegan, dies war gar kein Problem. In der Tat war keinerlei Erklärung notwendig. Dies ist beileibe nicht immer so, sehr viele Gastwirte wissen nach wie vor nicht was die vegane Ernährung ist.

Es dauert nicht lange und der Gast wird mit einer Vorspeise ausgestattet. Das Brot aus Bohnenmehl ist knusprig und würzig, für manche vielleicht etwas scharf, mir schmeckt es jedoch. Dazu gibt es dreierlei Dips: ein Mango-Chutney; eine mir unbekannte Sauce, die an BBQ-Sauce erinnert und eine, die offensichtlich auf Basis von Joghurt ist. Der Ober erklärt mir unaufgefordert, dass alles vegan sei, bis eben auf die Joghurt-Sauce. Sehr zuvorkommend. Bald darauf folgt ein kleiner Teller Krautsalat. Wer den zubereitet hat versteht sein Geschäft. Bitter ist er keineswegs, süßlich/säuerlich sehr wohl. Nach den Vorspeisen folgt bald der Hauptgang. Für alle Gäste zusammen steht eine große Schale dezent gewürzter Reis auf dem Tisch, sowie ein Korb mit Naan. Der Reis ist locker und duftet herrlich. Die Hauptspeisen selbst werden in dekorativen kleinen Metallschalen geliefert, welche auf einem Gestell für ein Teelicht stehen. Der Auflauf hingegen in der Auflaufschale. Die Menge ist ideal.
Vom Geschmack her vermutlich an den westlichen Gaumen angepasst, aber auch für Kenner der indischen Küche durchaus sehr angenehm. Würzig, leicht scharf und sehr schmackhaft. Das Gemüse war auf den Punkt bissfest gegart mit hervorragendem Geschmack. Auch das Fleisch meiner Begleiter war ihren Angaben nach gut zubereitet und schmackhaft.
Auf der Karte sind übrigens eine Reihe Gerichte als »scharf« gekennzeichnet, sehr empfindliche Menschen dürften jedoch auch bei den regulären Gerichten leicht ins Schwitzen kommen. Insgesamt ist der Koch hier durchaus zu loben, man erhält einen guten Eindruck von der indischen Küche und Liebhaber von Currygerichten kommen auf ihre Kosten.

Etwas unangenehm fallen die Toiletten auf. Diese sind zwar sauber, jedoch in die Jahre gekommen. Die blaue Keramik wirkt alt, die Wände nicht sehr gepflegt. Hier besteht Handlungsbedarf, eine Renovierung wäre dringend zu empfehlen.

Insgesamt bin ich durchaus zufrieden mit dem Badsha. Es gehört nicht zur Spitzenklasse und das merkt man auch, aber es ist durchaus ein Restaurant das wieder einen Besuch wert ist. Das Preis-Leistungsverhältnis ist angemessen, gerade in Bezug auf die Qualität der Speisen und den Umfang der Vorspeisen, sowie Beilagen.
Zum Abschied gibt es noch einen Digestif mit einer kleinen Süßigkeit bestehend unter anderem aus Kandis und zahlreichen Gewürzen. Nach Empfehlung des Obers verzehrt ist dies eine Geschmacksexplosion im Mund und ein finaler Abschied. Mit dem Wunsch auf ein schönes Wochenende verlassen wir das Badsha.

Abschließende Gedanken: Der Gast erlebt hier keine fantastische Reise nach Indien und er wird enttäuscht, wenn er sich diese erhofft. Das Badsha ist jedoch eine gute Adresse um schmackhaftes und durchaus gutes indisches Essen zu genießen und auch ein Tipp für die Mittagspause. Die vegane Ernährung ist dem Ober bekannt und stellt – wie auch andere Sonderwünsche – keinerlei Problem dar. Ich komme gerne wieder.

Diese Kritik wurde ebenfalls auf Restaurant-Kritik.de veröffentlicht: http://www.restaurant-kritik.de/bewertungen/312263
(Ich bin nicht verantwortlich für alle Inhalte von Restaurant-Kritik.de und kann keine Haftung für diese übernehmen. Mir sind zum Zeitpungt der Verlinkung (10.11.2013; 05:00 Uhr) keine rechtswidrigen Inhalte bekannnt. Sollten mir nachträglich solche Inhalte bekannt werden, so wird der Link entfernt.)

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3 Gedanken zu “Restaurantkritik: Badsha in Braunschweig

  1. […] Essen mit (nicht-veganen) Freunden kann hier stattfinden. Doch dafür setzt nach wie vor das Badsha im Magniviertel den Maßstab, der bisher unübertroffen ist. Doch ist das Dubrovnik mit seinem bürgerlichem Charme […]

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