Restaurantkritik: Punjabi in Braunschweig

In Braunschweig agitieren noch nicht viele Restaurants mit veganem Essen, wenn also eines mit »vegetarisch, vegan, Fleisch« wirbt, dann ist das etwas, was ich mir anschauen muss. Besucht und bewertet wird das tägliche (außer am Ruhetag Montag) Mittagsbuffet, aber ich werde noch ein wenig auf die restlichen Speisen auf der Karte eingehen. Dabei liegt mir nur die Karte vor, welche es zum Mitnehmen und online gibt. Es mag noch eine andere geben, aber dann darf man sich fragen, warum diese online nicht zur Verfügung gestellt wird. Daher werde ich berichten, als sei es die einzige.

Bewertung (intern)*:
Bedienung – 6/10
Essen – 5/10
Ambiente – 7/10
Sauberkeit – 8,5/10
Preis-Lesitung-Verhältnis – 4/10
Gesamt – 6,1

Was mir an der Speisekarte zuerst auffiel, war die Tatsache, dass die vegetarischen Gerichte vorangestellt wurden. Das ist in Indien üblich, da der Hinduismus die vegetarische Ernährung nahe legt. Die Auswahl vegetarischer Speisen ist auch relativ groß, für ein Restaurant in Deutschland aber noch wenig. Es finden sich daneben eine Vielzahl von konventionellen Gerichten und auch eine Auswahl Rindfleisch (hier als »Beef-Spezialitäten« bezeichnet). Eine spezielle Auswahl veganer Speisen gibt es nicht, tatsächlich findet sich nur ein einziges veganes Gericht auf der Karte; in Anbetracht der Werbung (diese bezieht sich auf das Buffet) enttäuschend. Die »Empfehlungen« und »Spezialitäten« bestehen nur aus Fleischgerichten. Zur Auswahl am Buffet später mehr.
Die Karte wirbt damit, zu jedem Gericht einen Salat und gegen Aufpreis von 1,90€ auch Brot anzubieten. Zumindest der Salat trifft jedoch nicht auf das Buffet zu. Das wäre zu verschmerzen, wenn dieses eine Auswahl an frischem Obst und Gemüse hätte, hat es aber nicht. Es gibt weder eine Salatbar, noch Nachtisch. Tatsächlich hat die gesamte Karte keinen Nachtisch zu bieten. Weiterhin seien laut Karte alle Gerichte auch zum Mitnehmen und »Essen, Chutneys und Saucen« seien nur mit »frischen Zutaten« und »im Haus selbsthergestellt«.

Nun zum Buffet selber und was es alles zu bieten hat. Was es nicht bietet wissen wir ja nun.
Es gibt frischen (ungewürzten) Reis gehobener Qualität und eine Vielzahl an Speisen. Erfreulicherweise halten sich vegane und konventionelle Auswahl ungefähr die Waage, was ich sehr erfreulich finde. Jedes Gericht hat ein Schildchen mit Namen und Beschreibung der Speise, sowie Angaben zum Schärfegrad. Ein Vermerk zeigt an, ob es sich um ein veganes Gericht handelt. Saucen gibt es in zwei Varianten: Joghurt und Süß-Sauer, Suppe als Hühner- und Gemüsesuppe, die Teller sind sogar vorgewärmt.

Geschmacklich sind die Speisen in Ordnung, aber insgesamt eher Mittelmaß. Das panierte und gebackene Gemüse mit Kartoffelspalten ist sehr schmackhaft, da die Panade ausgezeichnet gewürzt ist. Ansonsten gibt es leider keine wirklichen »Highlights«. Die Kreativität des Kochs in Bezug auf die veganen Varianten erstreckt sich leider oft nur auf Kartoffeln anstelle von Fleisch. Dabei kann gerade Tofu sehr gut von der indischen Art zu würzen profitieren und würde damit keinen Ersatz, sondern eine Alternative zu Fleisch und Käse stellen, den auch konventionelle Esser mögen könnten und durch das Buffet wären eventuell einige auf den Geschmack gekommen. Hier wurde Potenzial mit vollen Händen zum Fenster hinaus geworfen.
Der Schärfegrad ist gut und für die meisten Gaumen sicher verträglich, die Schilder geben da einen guten Richtwert. Zum Nachwürzen stehen Chiliflocken am Tisch bereit. Das ist bei einem Buffet eine gute Regelung.
Leider haben alle Speisen einen hohen Anteil Sauce. Viel mehr als man einem Currygericht zugestehen kann. Zum Teil muss man »fischen« um nicht nur die Sauce zu haben.

Das Personal ist indes freundlich. Während es zwar keine Begrüßung gab, bot man mir sofort eine kleine »Führung« zum Buffet an um die Anordnung der Schilder zu erläutern. Getränke kamen schnell und es gab keinen Engpass an Speisen. Das Personal war auch zu keiner Zeit aufdringlich und Geschirr wurde zeitnah abgeräumt.
Das Ambiente ist schlicht und stilvoll, es gefällt mir, da es eine moderne Ruhe ausstrahlt. Es gibt kaum Dekoration, weder im Gastraum, noch auf den einzelnen Tischen, was ich als positiv werte. Leider ist zum Flur des Schlosscarree hin eine lange Glasfront, welche den Gast der öffentlichen Beschau preisgibt. Im hinteren Bereich eine, wie auch immer geartete, Form von Fernsehen, seien es nun »Bollywood-Filme« oder etwas anderes. Wenn ich nicht mit dem Rücken zu dieser Seite des Restaurants gesessen hätte, wäre es sehr störend gewesen. So etwas sollte den Kneipen vorbehalten sein und nicht Einzug in die Restaurants halten.
Alles ist sauber, nur am Eingang lagern ungenutzte Gerätschaften auf einem Tisch, die im Raum für die Gäste nichts zu suchen haben, solange sie nicht benutzt werden.

Abschließend muss ich leider sagen, dass sich zumindest das Buffet in keiner Weise lohnt. Man hat für 9,90€ zwar eine reiche Auswahl, aber eben nur an durchschnittlichen Gerichten. Wirklich interessant ist es damit höchstens für Vegetarier und Veganer und solchen, die damit sympathisieren aber dennoch ein wenig Fleisch essen möchten. Ansonsten ist das Buffet nicht empfehlenswert. Zieht man in der Betrachtung noch die Lage hinzu, so kommt man fast schon zu dem Schluss, es handele sich um ein Schnellrestaurant.
Das ist wirklich sehr schade, da es zentral gelegen ist und ein insgesamt freundliches Personal hat. Es ist sauber, modern und gut gepflegt. Es fehlt im Grunde an nichts, was wirklich kritisch wäre. Außer eben an kreativen und überraschend guten neuen Ideen im Bezug auf den Geschmack. Warum keine Tofuvariationen? Warum muss (fast) alles in einer Sauce ertrinken? Warum kein Salat? Warum keines von den vielen köstlichen Desserts aus Indien? Hier muss das Punjabi noch deutlich nach- und aufholen.

Diese Kritik wurde ebenfalls auf Restaurant-Kritik.de veröffentlicht: http://www.restaurant-kritik.de/bewertungen/319175
(Ich bin nicht verantwortlich für alle Inhalte von Restaurant-Kritik.de und kann keine Haftung für diese übernehmen. Mir sind zum Zeitpungt der Verlinkung (10.11.2013; 05:00 Uhr) keine rechtswidrigen Inhalte bekannnt. Sollten mir nachträglich solche Inhalte bekannt werden, so wird der Link entfernt.)

*Da Restaurant-Kritik.de nur eine sehr unzureichende Bewertungsmöglichkeit zu Grunde legt habe ich mich entschlossen meine interne Bewertung hier mit aufzuführen.

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Ein Gedanke zu “Restaurantkritik: Punjabi in Braunschweig

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