Vitamin K2: Die totale Horror Show

… Und zwar keine Haha-Clockwork-Orange-Horror-Show, eher eine Wir-sind-der-Betrunkene-der-zusammengetreten-wird-Horror-Show. Ihr erinnert euch, als ich vor zwei Wochen sagte, Vitamin D wäre das eigentliche Problem? Naja, wenn man etwas tiefer gräbt wird es noch schlimmer.
Es heißt in der Wissenschaft: sobald eine offene Frage beantwortet wurde entstehen zwei neue. Hier trifft das ebenfalls zu. Vitamin K2 ist ein Vitamin, das so lange unbeachtet blieb, wie man es sich nur vorstellen kann. Erst mit den steigenden Zahlen von Herzleiden und Osteoporose kam man auf dieses Vitamin zurück. Lange Zeit dachte man, dass Vitamin K1 im Körper zu K2 umgewandelt würde und beide sehr ähnlich wirken würden. Nun stellt man langsam fest, dass dem nicht so ist.

Vitamin K1 kennen bereits alle »Herzpatienten«, wenn auch nur als Vitamin K. K1 sorgt für die Blutgerinnung und ist damit ein Antagonist von gerinnungshemmenden Medikamenten. K2 hingegen sorgt hauptsächlich dafür, dass Calcium im Körper korrekt verarbeitet wird. Man kann sich das K2 als eine Art »Lagerwart« vorstellen, der dafür sorgt, dass das Calcium in die Knochen und Zähne transportiert wird. Ohne diesen Lagerwart werden einfach die Gänge voll gestellt. Nach dem Motto: »Irgendwer wird es schon abholen.« Auf den Menschen umgemünzt bedeutet dies: das aufgenommene Calcium wird in den Gefäßen abgelagert wo es die sog. »Gefäßverkalkung« auslösen kann. So ähnlich wie mit dem Cholesterin.
Vitamin K2 ist damit von überragender Bedeutung für unseren Körper. Ohne dieses Vitamin steigt das Risiko für Zahnprobleme und Osteoporose, sowie Knochenschmerzen allgemein. Der Grund dafür ist, dass das ganze Calcium seinen Weg gar nicht erst in Knochen und Zähne findet. Das ist besonders dann der Fall, wenn viel Vitamin D und Calcium vorhanden sind.

Leider gibt es bisher noch keine wirklichen Empfehlungen für eine Vitamin K2 Dosierung. Die Empfehlungen schwanken zwischen 50 und 200 Mikrogramm (µg). 100 µg sollten es also schon sein um halbwegs auf der sicheren Seite zu sein. Da die Forschung hier aber wirklich gerade erst angefangen hat könnte die Empfehlung morgen schon wieder ganz anders lauten. Es ist einer dieser »Forever-Young-Momente«. Ihr wisst schon: Alphaville singen in Forever Young doch: »Hoping for the best but expecting the worst.«
In Deutschland kann es aber (natürlich) wieder schwierig werden genug K2 aufzunehmen.

Quellen:
Quellen für Vitamin K2 sind sehr limitiert. Genau wie Vitamin B12 wird es von Bakterien gebildet. Damit findet es sich ausschließlich in fermentierten Lebensmitteln wie Käse. Auch Eier enthalten K2. Ist es damit eine neue potenzielle Argumentationsgrundlage gegen Veganer? Nein. Im Gegenteil. Milchprodukte enthalten viel Calcium und Cholesterin. Würde man jetzt genug Käse zu sich nehmen um den (vermutlichen) K2-Bedarf zu decken, so würde man gleich doppelt das Risiko für »Gefäßverkalkungen« steigern, anstatt sich etwas Gutes zu tun.
Miso enthält scheinbar geringe Mengen K2. Sauerkraut ebenfalls nur geringe Mengen. Die beste vegane Quelle für K2 ist gleichzeitig die reichhaltigste Quelle überhaupt: Natto. Ein japanisches Lebensmittel aus fermentierten Sojabohnen. Es enthält bis zu 1000 µg K2 pro 100 g. Es kann leider sehr schwierig werden Natto zu bekommen. Daher ist man einmal mehr auf Ergänzungsmittel angewiesen. Bei Vitamin D habe ich alles versucht um einen Weg zu finden um die Pillen herumzukommen, Vitamin K2 wäre jedoch eine Tablette, die ich mit Freuden nehme. Der aktuelle Forschungsstand weist darauf hin, dass es das auf jeden Fall wert ist.

Es gibt mehrere Arten von K2 in Ergänzungsmitteln. Alle heißen englisch »Menaquinone-n«, wobei n für eine Zahl steht (und die steht für die Länge der Kohlenstoffkette). Abgekürzt wird dies international durch »MK-n«. Die häufigsten Formen sind MK-4 und MK-7. Bisher weiß man nicht genau, ob die eine oder andere Form besser ist. MK-7 wird für Nahrungsergänzungsmittel jedenfalls für Präparate mit Natto als Grundlage verwendet. MK-4 hingegen kann, muss aber nicht synthetisch gewonnen werden.

Was also tun?
Genau die Frage stelle ich mir auch. Es kann doch nicht sein, dass es ein Vitamin gibt, das so wichtig für den Körper ist, obwohl es der Körper nicht bilden kann und es auch so gut wie nirgendwo natürlich vorkommt. Die Antwort dafür könnte eine ähnliche sein wie beim Vitamin B12:
Der Mensch lebt normalerweise nicht lange genug, als dass er Probleme wie Osteoporose kennen würde. Die Zähne hat man aufgrund mangelnder Hygiene früher schon verloren, bevor die Risiken durch einen Mangel an K2 schlagend werden konnten. Und da K2 von Bakterien gebildet wurde hat man es vermutlich durch »verunreinigte« Lebensmittel aufgenommen, auf dessen Oberfläche sich diese Bakterien befanden. Heute lebt der Mensch ungleich länger, die Mundhygiene ist hierzulande hervorragend und alle unsere pflanzlichen Lebensmittel kommen entweder aus Gewächshäusern, oder werden gründlich abgewaschen.
Zudem muss man beachten, dass die vegane Ernährung historisch gesehen niemals präsent war, in keiner Region der Erde. Sie ist eine Konsequenz aus der Intensivtierhaltung. Und daher müssen wir sehen, dass wir uns möglichst ideal positionieren um dennoch alle unsere Vitalstoffe zu bekommen. Wobei es auch dem konventionellem Esser nicht viel besser ergeht, denn durch die große Menge Calcium und Cholesterin im Käse verstopfen zwangsläufig die Gefäße. Nur wer artgerecht keine Milchprodukte, aber Fleisch und Pflanzen (und Eier) isst, hat bezogen auf das K22 einen kleinen Vorteil. Und einige Ergänzungsmittel zu nehmen ist vermutlich, gesünder als die ganzen Beiprodukte, die wir durch tierische Nahrungsmittel bekommen würden. Man muss das kleinere Übel wählen. Oder natürlich man kauft Natto online. Es ist günstig, erfordert jedoch gekühlten Versand. Ich werde das mal machen und dann davon berichten.

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8 Gedanken zu “Vitamin K2: Die totale Horror Show

  1. Ok, ich hab den Text noch nichtmal gelesen (werd ich aber noch!), möchte dennoch anmerken, dass ich schon den ersten Satz nicht verstehe. Ist zwar auch schon ne Weile her, dass ich den Film gesehen habe, aber was meinst du mit „Haha-Clockwork-Orange-Horror-Show“?

      • Ok, ist dann wohl eine Frage der Perspektive. Die Leute, die Alex & Droogs zusammengetreten/vergewaltigt/etc. haben fanden’s wohl nicht so positiv.

        Aber zu deinen Recherchen: Klingt ja in der Tat ziemlich ungünstig, wenn man sich optimal ernähren möchte. Natto habe ich hier auch noch nirgends gesehen. Ich bin gespannt zu lesen, was du davon hältst.

    • Wie gesagt, wir sind der Besoffene, der zusammengetreten wird. ^^

      Leider nicht. Die Listen die es so gibt werden als Vitamin K Listen bezeichnet, also K1 und K2. Weil das alles noch neue Forschungsergebnisse sind. Ich weiß nichtmal, ob Ärzte das schon wissen.
      Aber da K2 halt von Bakterien produziert wird wären fermentierte Pflanzen allgemein ratsam. Aber das hängt einem natürlich auch irgendwann zum Halse raus. Ich schätze es ist das beste davon auszugehen, dass man über die Nahrung nicht genug bekommt.

  2. Sehr guter Artikel über Vitamin K2 und seine gemeinhin noch unterschätzte Bedeutung.

    noch ein paar Gedanken dazu:

    Was die K2-Unterformen M-4 und M-7 (und M-9 etc.) angeht scheint es schon so dass das M-7 (welches auch im Natto enthalten ist) besser ist. Und zwar deshalb weil es bis zu drei Tage im Körper aktiv ist, während M-4 schon nach wenigen Stunden abgebaut ist.

    Zur Dosierung gibt es bisher also nur geschätzte Richtlinien. Z.B. von Dr. Kate Rheaume-Bleue die empfiehlt die Dosierung abhängig von der Vitamin D Menge im Blut zu machen. Denn je mehr Vitamin D man hat desto mehr Vitamin K2 wird auch verbraucht bzw. gebraucht. Vitamin A, D und K2 spielen zusammen, eine Art Dreieck.

    Übrigends: Bei unseren Verwandten den Schimpansen ist es ja so dass diese sehr gerne Termiten fressen. Interessanterweise enthalten genau die sehr hohe Mengen an Vitamin K2. Die Schimpansen decken also ihren Vitamin K2 Bedarf anscheinend so.

    Die Ansicht dass der „Buhmann“ Cholesterin aus der Nahrung einen negativen Einfluß auf die Cholesterinwerte und die Arterien hat wird mittlerweile immer mehr angezweifelt bzw. gilt soweit ich weiss als widerlegt. Gerade bei einer rein veganen Ernährung ist es ja angeblich sogar so dass so manch einer insgesamt dann zu wenig Cholesterin hat was ja ein wichtiges „Prohormon“ ist.

    Man kann ja sein Natto auch selber machen, aber selbst das ist nicht nötig. Mit den richtigen „Vitamin-K2-fähigen“ Bakterienstämmen kann man auch ganz normales Gemüse wie Weisskohl (Sauerkraut) fermentieren welches dann mitunter sogar mehr K2 enthält als Natto (laut Dr. Mercola)… aber leider ist mir noch nicht genau klar welche Bakterienstämme das nun denn sind…

    • Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Leider habe ich bislang noch nicht genügend Belege gefunden, die dafür sprechen, dass MK-7 dem MK-4 überlegen ist. Es gibt Indizien, die darauf hindeuten, wie du schon sagst. Solange es aber nicht ausreichend erforscht ist möchte ich keine Empfehlung aussprechen. Manchmal steht auf der Verpackung auch (noch) gar nicht drauf welche Form verwendet wird.

      Mit dem selbermachen bin ich vorsichtig, sobald es darum geht, dass man sich einen gesundheitlichen Nutzen davon erhofft. Ich würde Natto selber machen um des Natto willens. Wenn es aber darum geht es als eine Art Nahrungsergänzungsmittel selbst zu machen könnte das auch eine Luftnummer sein, da niemand wüsste, wie viel und ob überhaupt K2 enthalten wäre.

      Deiner Literaturempfehlung werde ich bei Zeiten nachgehen, vielen Dank. (Ich habe ohnehin das Gefühl, dass dieses Thema noch nicht abgeschlossen ist.)

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