Ein Veganer im Krankenhaus

Wie bereits angekündigt befand ich mich drei Tage lang im Krankenhaus. Genug Zeit um einen kleinen Eindruck zu erlangen.

Ich habe mich auf der Station etwa zwei Wochen zuvor angemeldet und meine Ernährung genannt. Mir wurde versichert, dass dies gar kein Problem sei und ich am Tag meiner Ankunft nur Bescheid sagen müsse. Das habe ich dann auch getan. Direkt bei der Anmeldung habe ich gesagt, dass ich mich vegan ernähre und der junge Herr meinte, er rufe gleich nochmal in der Küche an und sage Bescheid, aber wichtig sei, dass ich es auf der Station sage. Dort wurde ich auch nochmal gefragt (aufgrund von Allergien). Die Frage was ich denn überhaupt essen würde lässt sich als Veganer natürlich denkbar einfach beantworten: alles was nicht tierisch ist. Das sollte ja eigentlich alles erklären oder?
Bekommen habe ich dann aber trotzdem das vegetarische Menü zum Mittag. Gemüseauflauf mit Käse überbacken und irgendeine Quarkspeise. Also musste ich die Schwester bemühen. Die hat dann zumindest eine kleine Portion Nudeln mit Tomatensauce heran geschafft, verbunden mit dem Versprechen, in der Küche nochmal alles für das Abendessen zu regeln. Naiv wie ich war ging ich davon aus, dass nun alles geklärt wäre. Ausgehungert und naiv wie ich war. Normal esse ich zum Mittag für zwei Personen und kein Abendessen. Aber das war nicht der Grund, das Mittagessen war wirklich mickrig, selbst für eine Maus.

Am Abend habe ich mich schon gefreut, Mittags wurden mir vegane Aufstriche versprochen. Bekommen habe ich Herzkranzgefäß verstopfende Mengen Käse. Und ich meine wirklich viel Käse. Edamer, Camembert, Fruchtjoghurt, etc. Die Laktose-Hölle. Auf mein Drängen wurde mir erst gesagt, dass am ersten Tag sowieso nichts richtig in der Küche ankommt, weil es scheinbar jemanden braucht, der den Leuten da nicht nur sagt, was Sache ist, sondern es ihnen mit dem Hammer ins Hirn zimmert. Diese Person nimmt morgens den Essenswunsch auf und ist nur innerhalb einer Stunde oder so zu erreichen. Also wenn man dann endlich aufs Zimmer kommt, ist schon alles zu spät. Großartig! Eine eifrige Schwester brachte mir dann zwar keinen veganen Aufstrich, aber Marmelade, Pflaumenmus, Margarine und die doppelte Menge Brot und Karottensalat. Vielen Dank! Endlich satt.

Die beiden weiteren Tage liefe größtenteils ereignislos ab. Ich habe meine veganen Aufstriche bekommen, meine tägliche Dosis Potassium am dritten Tag zumindest auch; einiges an Obst, etc. Aber leider kein warmes Mittagessen. Beide Tage hatte ich einen üppigen Salat mit Dill-Dressing und einer Scheibe Brot mit Margarine. Okay, damit bin ich auch zufrieden. Doch auch wenn der Salat nicht der gleiche war, über einen längeren Zeitraum wäre mir der auch zu den Ohren raus gekommen. Die Küche hat es sogar geschafft ein Gemüsecurry nicht-vegan zu machen. Selbst als ich mich noch konventionell ernährt habe ist mir das nicht gelungen.

Damit ergeben sich folgende Empfehlungen für alle Veganer, die ins Krankenhaus müssen:

  1. Geht nicht ins Krankenhaus. Fragt euren Arzt, ob die Behandlungen nicht auch ambulant im Krankenhaus erfolgen können. Das bedeutet für euch Wartezeit, aber auch eine Grundversorgung nach euren Vorstellungen.
  2. Kündigt rechtzeitig vorher (und auf der Station) an, dass ihr euch vegan ernährt. Beharrt auf einen Vermerk und Hinweis direkt an die Küche. Lasst euch in die Küche durchstellen, wenn das möglich ist.
  3. Rechnet damit, dass ihr falsch verstanden werdet, also erklärt was vegan bedeutet.
  4. Im Zweifelsfall sagt ihr, dass ihr laktoseintoleranter Vegetarier seid und keine Eier esst. Damit deckt ihr zumindest den größten Teil mit Worten ab, die hoffentlich weniger missverständlich sind als »vegan«. Dann kann man euch immer noch Honig oder Ähnliches andrehen, aber das ist nicht so wild denke ich. Besonders der Honig ist ja verpackt und kann einem Besucher mitgegeben werden.
  5. Geht am frühen Morgen zur Anmeldung und fragt sofort nach der Telefonnummer der zuständigen Dame oder des Herren, die die Essenswünsche aufnimmt. Dann ruft dort gleich an und schildert euer Anliegen. Scheinbar nur die können die Computerdaten für die Küche entsprechend aufbereiten. Im Regelfall wissen sie auch was vegan bedeutet.
  6. Stellt euch trotzdem darauf ein keine sehr reichhaltigen oder abwechslungsreichen Speisen zu bekommen. Einige haltbare Lebensmittel im Gepäck sind sehr zu empfehlen. Achtet auch darauf euch von Freunden und Verwandten, die ihren Besuch ankündigen, etwas mitbringen zu lassen, zumindest einmal die Woche. Der vegane Lieblingsdöner, eine Falafeltasche, oder auch nur eine Portion Pommes, völlig egal. Irgendein Fast Food, das man gerne isst, aber sich nicht so oft gönnt, wird euch helfen durchzuhalten.
  7. Fragt nach Obst und Gemüse, in der Regel stellt das kein Problem dar und kann auch zwischen den Mahlzeiten besorgt werden, wenn das Personal gerade etwas Zeit hat.
  8. Wenn ihr normal eine noch speziellere Ernährung habt (frugan, Rohkost, etc.), es damit aber nicht ganz so genau nehmt, dann stellt euch darauf ein für die Zeit des Krankenhausaufenthaltes zu pausieren. Wenn ihr es damit genau nehmt, werdet ihr sehr beschränkt sein, was die Wahl der Speisen angeht. (Und vegan ist schon schlimm genug.)

Wenn ihr dies hier lest, weil ihr ins Krankenhaus müsst und das Internet wälzt um zu sehen wie das so ist: alles Gute! Und ruft sofort auf der Station an (siehe Punkt 2).

Impressionen:

WP_000547WP_000551WP_000553WP_000555WP_000556 WP_000562WP_000569WP_000558

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s