»Völker, hört die Signale!«

Heute ist der Erste Mai. Jaja, jetzt war Walpurgisnacht und Tanz in den Mai und so weiter, alles gut und schön. Aber der Erste Mai hat eine noch viel interessantere Bedeutung bekommen. Es ist der Tag der Arbeit, Labour Day. Nun, wer mich kennt, der weiß auch, dass ich nicht viel von den meisten deutschen Feiertagen halte. Ich glaube, der Tag der Arbeit ist tatsächlich der einzige, den ich überhaupt anerkenne. Und ich feiere ihn auch. Nun kann man natürlich sagen, dass das einfach ein freier Tag ist, super, is‘ doch egal warum. Aber der größte Teil der Menschheit sollte genau dies nicht tun. Der Tag der Arbeit ist ein Symbol für alle Arbeiter, solche die es einst waren und solche, die es werden wollen. Ich will euch mal einen kurzen Abriss über die Geschichte geben. Alles andere als vollständig oder für den Geschichtsunterricht tauglich natürlich.

Während der anhaltenden Industrialisierung hat die Ausbeutung einfacher Arbeiter immer stärker zugenommen. Dieser Umstand war vorher – obgleich es natürlich immer schon arbeitende Menschen und jene, die von ihnen profitiert haben gab – ist vorher nicht so sehr aufgefallen. Es gab Monarchen zu stürzen und Demokratien zu errichten. Nun sah die Sache anders aus. Der Begriff Arbeitskraft wurde in der Managementtheorie zu »Human Ressources«, Handelsware. Und noch dazu eine, die es im Überfluss gab. In den USA beispielsweise hat man sich aus der Schar Arbeitsloser bedient, wenn ein Arbeiter mal wieder an der Fleischsäge eine Hand verloren hat. Das war dann auch so ziemlich alles was passiert ist, ein Arbeiter geht, ein anderer kommt. Ganz einfach. Sicherheitsstandards? Quasi nicht existent. Die späteren Gewerkschaften waren eine logische Konsequenz, aber viel ausrichten konnten sie nicht. Wenn gemeinsam mit den Arbeitgebern mal etwas beschlossen wurde, haben Letztere es einfach nicht ausgeführt und die Kuh war erstmal wieder vom Eis.
Die Arbeiterbewegung ist aus dieser Ungerechtigkeit entstanden. Der Kommunist würde euch vielleicht sagen, dass es der Gedanke war, dass die Arbeiter in großer Zahl für die wenigen Reichen und so weiter. Das ist alles Quatsch. Diese Aussagen stimmen natürlich, aber das waren später vielleicht die Motive, nicht die Auslöser. Sichere Arbeitsbedingungen, faire Entlohnung, solche Sachen mussten dringend her, doch von alleine kam nichts. Auch die Briten konnten sich da nicht auf ihre geliebte Obrigkeit verlassen.

Nun, um eine lange Geschichte kurz zu machen: die Arbeiter in Fabriken, Bergwerken und weißichnichwonoch haben sich erhoben und sind für ihre Rechte eingestanden. Deswegen feiern wir heute den Tag der Arbeit. Und jeder Arbeiter sollte das auch tun. Nicht mit Alkohol und dem seligen Gefühl einen freien Tag zu haben, sondern in dem Bewusstsein wichtig zu sein.

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5 Gedanken zu “»Völker, hört die Signale!«

    • Bei mir ist es Die Internationale, aber das sieht man ja auch am Titel. Und es kommt auch in dem von dir verlinkten Lied vor. Außerdem denk ich dabei seit kurzem auch an Ken Follets Sturz der Titanen. (Ubrigens ein hervorragender Roman, die Fortsetzung ist leider weniger gelungen.)
      Du musst im Feuerland wohnen. XD Wenn ich irgendwo lebn würde, wo der Tag der Arbeit nicht gefeiert wird, würde ich mich grundsätzlich einen Tag Urlaub nehmen. Das ist aber auch wirklich schön (und manchmal nervig) an Deutschland. An einem Feiertag wie diesem ist – zumindest in den etwas kleineren Städten – gar nichts los. Der ein oder andere Chinaimbiss hat geöffnet, aber ansonsten ist es wie in einem postapokalyptischen Ödland.

  1. Zum ersten Mai, Tag der Arbeit und der Geschichte der Arbeiter fiel mir das Büchlein „Der Weg nach Wigan Pier“ von George Qrwell ein. Sehr informativ über die Ausbeutung der Arbeiter in England. Aus dem Klappentext: „Im Jahr 1936 geht G.O. vom Left Book Club beauftragt in die Industriestädte Nordenglands, um an Ort und Stelle zu beobachten, wie Bergleute im Alltag arbeiten und wohnen und überleben. Er steigt mit in die Gruben hinunter und berichtet aufmerksam, sachlich, genau, mit Einfühlung und Gespür für die vielfachen Zusammenhänge. Von dieser unmittelbaren Erfahrung leiten sich im zweiten Teil die Gedanken über Lebensbedingungen, Ernährung, Gesellschaft, Klassenunterschiede, Arbeitslosigkeit ab-vor allem aber über den Sozialismus als umsichtigen, schwierigen Weg zu Gerechtigkeit und Freiheit.
    (….) Auch eine Mahnung an die Vernunft aller Zeitgenossen, die verständlich macht, weshalb der Verfasser später zwischen allen Stühlen saß.“(Sven Papcke/DieZeit, Hamburg).

    Ich sage dazu: George Orwell ist für mich sowieso einer der wichtigsten großen, immer einzelgängerischen Geister, deren Denk-bzw. Lebensleistung diese Bewusstseinswelt bleibend zu beeinflussen vermögen in jeder Beziehung, nicht nur in der zum Sozialismus.
    Heute geht es m.E. auch nicht mehr nur um einen „Sozialismus“, der die Welt verändern, bzw. heilen könnte, sondern um ein grundsätzlich neues Verständnis für das Leben. Und dafür ist m.E. der Veganismus der erste unumgängliche Schritt. Er ist der Schlüssel für dieses neue notwendig weltumspannende Bewusstsein. Dazu noch ein Buchtip: „The World Peace Diet“ von Will Tuttle, das wahrscheinlich dieses Jahr noch in deutscher Übersetzung herauskommen wird.

    • Danke für den Literaturtipp. Ich möchte dich jedoch bitte Klappentexte und dergleichen in Zukunft weg zu lassen. Das kann bei Interesse jeder selbst nachschlagen. Vielen Dank.
      Sämtliche Werke Orwells sind indes sehr empfehlenswert. Sie haben interessanterweise auch einen gewissen Konjunkturverlauf: sie werden aktueller und weniger aktuell, je nach politischer und sozialer Lage. Wobei ich persönlich seit einigen Jahren schon 1984 und Animal Farm als am aktuellsten betrachte.

      • Mit diesen beiden Werken ist er zurecht weltberühmt geworden. Ich hatte aber auf dieses kleine Büchlein über die Kohleminen deshalb hingewiesen, weil ich es selbst erst neulich entdeckt habe und dachte, daß vielleicht auch andere es noch gar nicht kennen! Ich finde es aber gerade zum Thema Ausbeutung von Arbeitskraft eines der wichtigsten Bücher! Wer es nicht gelesen hat und die Tätigkeit von Minenarbeitern nicht aus eigener Anschauung kennt, wird schockiert sein. Ich wusste bisher nur, daß dort auch Pferde hinabgelassen wurden zum arbeiten, die dann nie wieder zurück ans Licht kamen. Sehr traurig hat mich das auch immer gemacht und macht mich heute noch traurig, wenn ich dran denke! Die Übersetzung von WorldPeaceDiet ist übrigens abgeschlossen und wird gerade kontrollgelesen. Wenn es gut geht, erscheint das Buch im Herbst in Deutschland. Es beleuchtet vor allem den weltanschaulichen Aspekt des Veganismus! Von den Büchern, die ich bisher über unsere Ernährung gelesen habe, fand ich bisher vom wissenschaftlichen und politischen Aspekt her die von John Robbins („Ernährung für ein neues Jahrtausend“ und „Food Revolution“)am informativsten. Was er an Recherche da geleistet hat, ist glaub ich bisher unübertroffen!

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