Exkurs: Wer bezahlt die Zeche?

Aufmerksame Leser wissen: Ich habe mal Recht und Finanzwesen studiert. Zumindest so lange, bis ich endlich festgestellt habe: Diese Leute halten die Gier nach Geld für die beste menschliche Eigenschaft. Eine Frage jedoch konnten mir meine Lehrer nie abschließend beantworten. Und zwar wer denn irgendwann die Zeche zahlt. Die ausführlichste Antwort war: »Sie übersehen, dass es einen Unterschied zwischen realer Geldmenge und Buchgeld gibt.« In der Tat den gibt es und darum geht es in diesem Exkurs.

Zinsen kennt jeder. Zinseszinsen, also wenn Zinsen dann wieder verzinst werden, vermutlich auch. Aber kaum einer fragt sich was Zinsen eigentlich für das Finanzsystem bedeuten. Man gibt jemandem Geld und dafür will man dann auch wieder was zurück bekommen. Ist irgendwo nachvollziehbar, was gibt es auf dieser Welt schon umsonst? Aber eben diese Differenz ist das Problem, denn wo kommt das eigentlich her? Nehmen wir mal ein auf die Spitze getriebenes Beispiel: In einem geschlossenem Finanzsystem gibt es 100 Geldeinheiten (GE) und 100 Leute und jeder hat 1 GE. Jetzt fällt einem davon auf, dass er ganz gerne mehr Geld hätte ohne etwas dafür zu tun. Er sagt den Leuten: »Hey Leute, gebt mir eure Moneten und dafür gebe ich euch in einem Jahr das Doppelte zurück.« Klasse Konzept denken sich die Leute und jeder gibt ihm das Geld. Jetzt hat der eine 100 GE, das Jahr vergeht und nun wollen die anderen ihr Geld wieder haben. Aber woher soll der eine es nehmen? Es gibt ja nur 100 GE insgesamt, wie soll er da 200 GE auszahlen?
So, und genau das passiert auf diesem Planeten jeden einzelnen Tag. Nur geht in der Realität keiner pleite. Aber warum? Weil es einen Unterschied zwischen realer Geldmenge und Buchgeld gibt. Man sollte ja meinen eine Bank hätte eine gewisse Geldmenge zur Verfügung und die kann sie dann ausgeben. Das Geld liegt halt irgendwo in ’nem Safe. Tja, dem ist aber nicht so.

Anderes Beispiel: Maurermeister M möchte sein Geschäft erweitern und leiht sich bei der Bank B dafür 100 GE. Die Bilanz der Bank B. B holt natürlich kein Geld aus dem Keller und gibt es dem M. Was macht sie stattdessen? Nun, in der Schule hat man irgendwann mal gelernt, dass die Bank sich das Geld zu einem niedrigerem Zinssatz von den Anlegern holt. Und das ist im Prinzip auch richtig. Trotzdem aber irgendwie falsch. Was B macht ist nämlich das Folgende:

Ist das nicht erstaunlich? Was heute alles möglich ist, was? Da erschafft eine Bank einfach so neues Geld. Und das Tollste: Solange M alles per Banküberweisung bezahlt, also elektronisch, gibt es damit überhaupt kein Problem. Das Geld geht dann einfach an eine andere Bank, das sind nur ein paar Bits, die dann woanders auf dem Server liegen. Wenn M das Geld abheben will kann die Bank geringe Beträge verkraften, das liegt immer in den Bankautomaten. Will M aber das gesamte Geld abheben, dann wird’s schwierig für B. Das wäre ein Bank Run im Mini-Format. Ist aber auch kein Problem. Ein Anruf bei der Zentralbank, Sicherheiten (z. B. Staatsanleihen) vorgezeigt, schon bekommt B das Geld geliehen und kann es dem M auszahlen. Alles völlig legal. Wo die EZB das Geld herbekommt? Man geht in den Keller und druckt es sich einfach, was denn sonst? Und das passiert jeden Tag. Ohne diesen und andere Tricks der Buchhaltung wäre das Zinssystem gar nicht möglich.

In den USA ist das noch spannender: Die Federal Reserve (FED, Notenbank der USA) ist nicht staatlich, sondern wurde privatisiert. Es ist natürlich gleichzeitig das einzige »Organ« der USA um Geldmenge und damit In- bzw. Deflation zu kontrollieren. Die FED macht das Geld und sie gibt den USA dieses als Kredit. Aber wenn die FED die einzigen im Staat sind, die USD drucken, wie sollen die USA dann eigentlich ihre Schulden bei der FED begleichen? Genau: mit neuen Krediten von der FED. Bedeutet: die USA ist auf ewig ihrer eigenen Notenbank gegenüber verpflichtet. Und ihr dachtet die EZB würde in letzter Zeit ’ne kranke Scheiße abziehen…
Übrigens eine kleine Randnotiz: Heute würde John F. Kennedy seinen Geburtstag feiern. Er hatte unter anderem auf der Agenda die FED wieder zu verstaatlichen. Dieser Mann wurde geliebt und wäre vermutlich Präsident geworden, wenn er nicht erschossen wurden wäre.

Graffiti im Magniviertel in Braunschweig.
Graffiti im Magniviertel in Braunschweig.
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