Was ist Wissenschaft?

Wissenschaft

Es scheint bei manchen Leuten ein grundsätzliches Missverständnis zu bestehen, was Wissenschaft ist. Dies ist mir nun schon häufiger aufgefallen und – das ist natürlich nur meine Beobachtung – besonders Menschen in mittleren Jahren scheinen betroffen zu sein. Vielleicht auch darüber hinaus, das kann ich nicht sagen. Jedenfalls scheinen einige Leute Wissenschaft mit Religion zu verwechseln. Wenn man sich mit wissenschaftlicher Methodik nicht auskennt und kein Verständnis von den Prinzipien der Wissenschaft hat, kann dieses Missverständnis sicherlich aufkommen, zumindest bei Betrachtung der Berichterstattung in den Medien.

Das ist auch der erste Knackpunkt und eine goldene Regel, an die sich jeder halten sollte: Trau niemals deinem Fernseher »dein Fernseher lügt«. Natürlich sind auch Zeitungen, Radio, usw. keine Unschuldslämmer, aber besonders die Fernsehsender haben oft keine Ahnung wovon sie eigentlich sprechen. Es scheint jedoch Quoten zu generieren, möglichst jeden Tag irgendwas von einer Studie zu erzählen, die gerade abgeschlossen wurde und verblüffende Ergebnisse erzielte.
Ich verrate euch mal was: Studien gibt es haufenweise. Nicht alle sind wissenschaftlich und die wenigsten werden im Sinne der Forschung durchgeführt. Die große Mehrheit soll die schwachsinnigen Behauptungen irgendwelcher Konzerne oder anderer Gruppierungen unterstreichen. Darum immer schön den teuren »probiotischen« Joghurt fressen, wenn ihr gut zum Klo gehen können wollt, der hilft euch. Oder naja, zumindest wirkt er bei Menschen mit erheblicher Laktoseintoleranz …

Ich glaube aber, dass diese häufigen Fehleinschätzungen von einem fehlerhaften Verständnis von Wissenschaft herrühren. Sicherlich werden hier oft Wissenschaft und Pseudowissenschaft miteinander verwechselt. Daher mal eine kleine Auflistung um die beiden Unterscheiden zu können:

Merkmaler »echter« Wissenschaft (kontra Pseudowissenschaft).

  • Wissenschaft bedient sich keiner Autoritäten. Jeder Wissenschaftler unterliegt ständig den Zweifeln seiner Kolleginnen und Kollegen und auch seiner eigenen Zweifel. Abschluss irgendwas ist kein Argument in einer Diskussion. Jeder Student im ersten Semester kann klügere Einfälle als seine Dozenten haben. In Pseudowissenschaften gibt es häufig Autoritätspersonen mit tausend Titeln, an dessen Aussagen nicht zu rütteln ist.
    Wissenschaftliches Arbeiten bedeutet immer auch Autoritäten anzuzweifeln und ein klares anschauliches und nachvollziehbares Experiment, das unter gleichen Bedingungen zu immer demselben Ergebnis kommt ist höherwertig. Kommt eine Autorität zu dem Schluss x, das Experiment zeigt aber Ergebnis y, dann hat die Autorität sich eben geirrt. Aber einfach irgendwas zu behaupten und dann muss der Andere daran halt glauben, das geht nicht. Glauben ist für die Kirche.
    Oder um es mit den Worten Galileo Galileis zu sagen: »In questions of science, the authority of a thousand is not worth the humble reasoning of a single individual.«
  • Gegenargumente werden in der Wissenschaft immer wahrgenommen. Ihnen muss Beachtung und ein Forum eingeräumt werden. Während solche in Pseudowissenschaften meist ignoriert oder weggewischt werden.Es ist bezeichnend für Pseudowissenschaften, dass ein innerer Zirkel besteht, in welchem alle dasselbe glauben und sich durch konstante Bestätigung gegenseitig die Eier schaukeln. Woher die Kenntnisse dieser Leute nun kommen…. man weiß es nicht.
    Wissenschaft hingegen ist immer transparent. Alle Ergebnisse sind ersichtlich, mit Quellen zu belegen und Experimente müssen alle Umstände darlegen.
  • Es gibt in der Wissenschaft klare Definitionen von nachweisbaren Vorkommnissen. Pseudowissenschaftlich werden dann oft Begriffe in den Raum geworfen, die nicht klar definiert sind, die keiner kennt und keiner nachweisen kann. »Lebensfeld« oder »Biomagnetismus« oder ähnlicher Schwachsinn.
    In Pseudowissenschaften werden immer gerne Begriffe verwendet, die wissenschaftlich Verwendung finden. Gerade sowas wie »Energie« ist häufig dabei. Aber solche Begriffe werden grundsätzlich nicht akkurat, d. h. ihrer Definition gemäß verwendet.
  • In der Wissenschaft gibt es keine endgültigen Wahrheiten, nur Theorien und Thesen. Eine Theorie ist immer so lange gültig, bis sie ein einziges mal transparent widerlegt wurde. Sie kann aber nicht endgültig bewiesen werden, egal wie viele transparente Experimente zu demselben Schluss kommen. Beweise sind stets temporär und stärken nur die Theorie. Aber es kann durchaus sein, dass sie in 20 Jahren widerlegt wird. Nichts was heute in der Wissenschaft als gegeben angesehen wird hat diesen Status auf alle Ewigkeit.
    Wissenschaft orientiert sich an Fehlschlägen. Sie hangelt sich von einem zum nächsten. Pseudowissenschaften hingegen liefern sofort eine endgültige »Wahrheit« mit zumindest zweifelhafter Herkunft. Daher haben Pseudowissenschaften auch so viel Zulauf: Sie bieten schnelle »Hilfe« für aktuelle Probleme.

Also weshalb sollte man vor Wissenschaft nun Angst haben? Die Wissenschaft bemüht sich um ein Abbild der Wahrheit und ist für jedermann ein offenes Forum. Absolut jeder kann sich an ihr beteiligen. Ganz anders als Religionen und Pseudowissenschaften, die dann schon gewisse Gemeinsamkeiten aufweisen.

Und darum bemühe ich mich auf diesem Blog um Wissenschaft. Ich erzähle euch was ich herausgefunden habe und verheimliche euch nicht irgendwas. Zumindest nicht absichtlich und/oder bewusst. Was hier steht ist nicht in Stein gemeißelt und ich bin immer zu einer offenen Diskussion bereit.
Ausgenommen davon ist natürlich der Gonzo-Journalismus, das dürfte wohl klar sein.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s