Reisebericht London, Teil 2: Business auf der Commercial Street

Ersten Teil schon gelesen? Nein? Dann mal los.

Wer nach London reist muss aufpassen: Wie in jeder großen Stadt sind Touristen das häufigste Ziel für Kriminelle. Doch wer meint mit einem Halsbeutel sei er sicher, der irrt: der Abschaum hat klügere Methoden entwickelt: die Neger sprechen einen auf der Straße an und wollen einem irgend einen Scheiß andrehen, das kann auch mal ein flux zusammengeflochtenes Band aus Garn sein, der Freundschaftspreis: 12 Pfund das Stück. Diese Stadt ist teuer, aber ich hätte nicht gedacht, dass man für etwas Garn so viel hinlegen muss. Aber wenn ihr trotzdem noch nach London wollt, empfehle ich euch auch das mitzuerleben. Lasst euch ordentlich verarschen. Ihr bezahlt nicht für etwas Garn, sondern für die Erkenntnis, dass ihr nur überlebt, wenn man die Leute nach GarnStrich und Faden ausnimmt. Eine Lebenslehre für nur 12 Pfund. Da kann man viel Geld sparen, wenn man noch jung ist.
Aber auch wer die Verbrecher dieser Stadt nicht fördert hat Probleme in London reich zu bleiben. Es gibt zwar einige sehr günstige Angebote zum Lunch, aber beinahe alles andere ist unglaublich teuer. Immerhin bekommt man 2 Liter Wasser für 60 Pence, das Leitungswasser ist ungenießbar und mir wird schon schwindelig. Der Tesco Express hat übrigens 24/7 geöffnet (wie gesagt: wer in London schläft outet sich als Freak). Und wo kommt eigentlich dieser Taco-Geruch im ganzen Hostel her? Tacos stehen nicht auf der Karte. Na mir egal, bei dieser Stadt vergeht mir jeder Appetit. Wer abnehmen will kommt nach London. Solange er nicht zum Frustfressen neigt versteht sich. Denn, hat man einmal begriffen, dass man an einem Tag über 130 Pfund ausgeben kann ohne dafür den geringsten Mehrwert zu haben frisst oder fastet man. Mir reichts, heute mache ich nur Sachen die kostenlos sind. Die Nationalgalerie ist weltklasse und… – Warum hat der Typ gerade in dem Pizzakarton (der da seit zwei Stunden steht und ihm nicht gehört) nachgeschaut ob noch was drin ist? was stimmt mit den Leuten hier nicht? Oh richtig: das Leben hier kostet mehr als irgendjemand hat. – und es gibt eine kostenlose Stadtführung.Ich habe seit 32 Stunden Kopfschmerzen und Schwindelgefühl, vielleicht hilft etwas Kunst und frische Luft. Immerhin muss ich mich um die Beförderung nicht sorgen, ich wurde zwar verarscht, aber die Traveller-Card bietet eine zoneninterne Flatrate für sieben Tage. Wenigstens ein Mehrwert für die ganze Kohle.

Doch nicht alles in London ist teuer, wie mir das Internet versichert: in der Commercial Street wird Business gemacht und das ist günstig: mit 20 bis 30 Pfund ist man dabei. Das Biz ist alt und schmutzig, es geht in einer Seitengasse ganz gut. – Sagt mal, hat der Spanier gerade die weibliche Stimme in der U-Bahn täuschend echt nachgemacht? – Ihr fragt welches Business gemeint ist: »Sex or Blowjob«. Na klar. Die Berichte im Internet darüber sind besserer Gonzo als ich jemals geschrieben habe und in mir keimt der Verdacht, dass diese Stadt gonzo-Journalisten hervorbringt: nie war ich deprimiert genug um so viel zu Papier zu bringen. Es gibt sogar einen Pub, der sich Hunter S. nennt. Da muss ich hin, ist doch wohl klar, vielleicht nächste Nacht.

Als der Chinese auscheckt und eine Blondine aus Manchester ihn ersetzt bin ich glücklich. Dieser Raum war so voll mit Testosteron,dass selbst die Wände Bärte bekamen und ich habe immerhin gemischt gebucht, verdammt nochmal. Die Arme, allein mit drei Kerlen. Das ist das Risiko, wenn man etwas Geld bei der Buchung sparen möchte: entweder es sind nur Kerle oder alle anderen sind Kerle.

Um Punkt vier Uhr wird übrigens die Musik im Hostel abgeschaltet und auch die Security verschwindet. Scheinbar schläft London doch ab und zu, so etwa zwei Stunden am Tag. Ach nein moment, die Anlage war ausgefallen, die Musik geht wieder und die Security ist auch zurück. Schade ich habe mich über die süße Stille gefreut. »Easy come and easy go« singt die Dame in einem schlechtem Bobby Sherman Cover und ich frage mich, ob sie das Business in der Commercial street meint. Diesen Artikel liebe ich schon jetzt und wenn ich ein echter Gonzo-Journalist bin stelle ich ihn unkorrigiert direkt ins Netz. Das könnte ich auch von der U-Bahn aus, denn dort sind schon viele Stationen mit Access-Points versehen. Wozu Roaminggebühren an die T-Com bezahlen? Im Underground werd ich gratis verstrahlt. Gratis und London? Haha, lustig. Naja, die Nationalgalerie ist schon schön. Auf dem Trafalgar-Square direkt vor der Tür laufen die Neger mit ihrem Garn herum, aber auch alle anderen Ethnitäten sind hier verabscheuungswürdig. Straßenkünstler versuchen auch nur euch abzuzocken. Ich sollte mich dazu stellen und den Leuten ihr Geld wegzaubern. Aber nein, ich verstehe mich als Entertainer. Wenn ich zaubere, dann um den Leuten ein wenig Unterhaltung zu bieten. Ich bin eben viel zu gut für diese Welt. Aber ohnehin nicht in London, diese Stadt ist verloren, eine Scheißekuhle. Die Fleet Street muss ich noch sehen, dann hoff‘ ich, dass es schnell geht bis ich wieder zuhause bin. Das nächste mal würde ich ja nach Dublin reisen, die Iren sind mir erheblich lieber als die Briten, aber mit Ryanair fliege ich nur noch einmal: nach Hause. Allerdings nicht so schnell wie gedacht. Aber dazu später mehr.

Achtung: Das Wort Neger sehe und verwende ich nicht als Beleidigung, Nigger hingegen sehr wohl, das würde ich niemals verwenden. Neger kommt vom lateinischen Wort negero und bedeutet einfach nur schwarz. Keine Ahnung, warum irgendjemand das mal als Beleidigung interpretiert hat.

Hier geht es zu Teil 3: Parks und Pubs.

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8 Gedanken zu “Reisebericht London, Teil 2: Business auf der Commercial Street

    • Hallo Katharina. :)

      Gonzo-Journalismus ist eine von Hunter S. Thompson (darum fand ich den Pub, der Hunter S. heißt so cool) Literaturrichtung. Hunter S. war Journalist und hat seine Kolumne nicht rechtzeitig fertig bekommen. Darum hat er statt der Kolumne seine Notizen eingereicht, die allesamt aus subjektiven Eindrücken bestanden. Daraus ist – weil es gegen alle Regeln des Journalismus verstößt – eine Literaturrichtung geworden. Man schreibt all seine subjektiven Empfindungen auf und würzt es mit besonders viel Sarkasmus und Polemik. Dabei vermischen sich reale, selbst erlebte und frei Erfundene Ereignisse zu einem Ganzen. Rüde Ausdrucksweise etwa wird dabei als Stilmittel benutzt.

      Ich hoffe ich konnte dir helfen.

  1. Halli Hallo,

    Ich bin sonst nicht der aktive Kommentator, aber hier muss ich meinen Senf mal los werden.

    Du fragst, wer sich an dem Begriff Neger denn stören könnte? Ist ganz einfach, die Menschen, die mit diesem Wort bezeichnet werden. Dafür fallen mir auch einige Gründe ein:
    1. Der Begriff ist negativ geprägt, ob du ihn nun in der Absicht verwendest oder nicht.
    2. die Bezeichnung Neger wurde von einer privilegierten Gruppe einer anderen übergestülpt. Es handelt sich dabei auch um keine Beschreibung einer Ethnizität, wie du in deinem Artikel andeutest. Man hätte damals doch auch die genaue Herkunft nennen oder das Wort Afrikaner nutzen können. Aber man hat aufgrund eines äußeren Details alle zusammengefasst, ungeachtet der Tatsache, wie diese verschiedenen Gruppen sich selbst benennen wollen.

    Und damit bin ich schon beim Grundproblem: Privilegien.
    Als (ich schätze mal weißer) Mann gehörst du der privilegiersten Gruppe überhaupt an. Ob du das nutzt, ist dabei egal. (Als Veganer lehnt man schließlich viele Privilegien ab.) Aber von außen wird man immer so wahrgenommen.
    Und selbst kann man sich niemals wirklich in eine weniger privilegierte Gruppe herein versetzen. Deshalb kann man nicht sagen „Wer soll sich bitte an dem Begriff stören?“, weil man selber nie in der Lage sein wird, das dieser Begriff negativ gegen einen selbst verwendet wird.

    Ich hoffe ich kam hier nicht mit erhobenen Zeigefinger daher und statt dich über mich aufzuregen, willst du dich vielleicht eher mit der Materie befassen.

    Zum Abschluss ein wirklich passendes Zitat aus Friends zum Thema Privilegien:

    Viele Grüße.

    • Zunächst einmal vielen Dank für deinen Kommentar. Dein „Senf“ ist hier immer willkommen.

      Ich bin nicht ganz deiner Meinung. Sicherlich ist es richtig, dass eine als Beleidigung aufgefasste Bezeichnung verletzt. Aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, heißt: Es gehören noch mehr Dinge dazu. Also wie es gesagt wird und gemeint ist. Und damit kann im Prinzip alles zu einer Beleidigung werden.
      zu 1.: Ich verwende ihn in Absicht, nur nicht in böser. Und es spielt im Prinzip keine Rolle. Die Swastika ist ebenfalls negativ belastet, aber ich sehe kein Problem darin sie als das Symbol der Unendlichkeit zu verwenden. Warum auch nicht? Genauso ist es mit irgendwelchen Begriffen. Manche Türken haben mich schon als „Kartoffel“ beschimpft, soll ich jetzt nur noch Erdäpfel zubereiten? Blödsinn. Wir sollten aufhören uns so stark an der Vergangenheit und an anderen zu orientieren.
      zu 2.: Im Prinzip richtig. Genau so wie man Männer und Frauen anhand äußerer Details als solche bezeichnet hat und seither tut. (Als diese Begriffe entstanden kannte man noch keine Chromosomen.) Und man sagt auch Weiße. Warum nicht Europäer? Die Sache mit den Priviligiertten Gruppen geht an dich, dagegen ist nichts zu sagen, außer eines: der Begriff Neger wurde Jahrzehnte lang ohne Probleme geführt. Von Weißen, wie von Schwarzen. Ich sitze da sozusagen an der Quelle, denn Braunschweig ist ein höchst interessantes Beispiel. Zum einen hat Hitler hier seine deutsche Staatsbürgerschaft erhalten und zum anderen haben die Menschen sich hier Ewigkeiten lang nicht um die Hautfarbe eines Menschen geschert und was ein echter Braunschweiger is, der tut das auch heute noch nicht. Als hier – und das ist jetzt wirklich ein interessanter Fakt – die Schilder am Stadtrand von den Nazis aufgestellt wurden „Erste Judenfreie Stadt Deutschlands“, da ist noch kein einziger Neger verfolgt wurden. Eine der ältesten und angesehensten Familien Braunschweigs: Jahrzehnte afrikanischer Abstammung. Worauf ich hinaus will: wenn ich priviligiert bin, dann damit in einer Stadt aufgewachsen zu sein, die sich einen Dreck um Aussehen und Herkunft eines Menschen schert. Und da ich noch zu den wenigen Leuten gehöre die Braunschweig echt dufte finden, halte ich diese Tradition auch hoch.

      Und einer Gruppe gehöre ich überhaupt nicht an, einer priviligierten schon gar nicht. Ich bin Weltenbürger in Diogenes‘ Sinne. Okay zugegeben, möglicherweise gehöre ich den Kynikern an, geschenkt.

      Wahrscheinlich werde ich dich nicht überzeugen und das ist auch völlig in Ordnung. Aber du müsstest nun sehen, dass ich mich durchaus mit der Materie beschäftigt habe und einfach zu einem anderem Schluss gekommen bin als du.

      Edit: Ich werde die Tage einen ganz kurzen Artikel mit einem Bild verfassen, der das Thema entfernt tangiert.

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