Reisebericht London, Teil 3: Parks und Pubs

Also wenn ihr Teil 1 und 2 noch nicht kennt, dann wird’s aber Zeit.

Zeit für einen Depressionsvergleich: Ich bin bei 9,5 von 10. Wenn ihr mich überbieten könnt frage, ich mich warum ihr euch noch nicht umgebracht habt. Aber meine Hochachtung für die Ausdauer. In der Bar des Hostels hier wird gerade eine besonders gut aussehende Schwarze von einem besonders ekelhaftem Russen aufgegabelt. Ich schätze wer bis halb fünf in der Nacht noch kein Date hat, kann nicht wählerisch sein. Das Problem habe ich nicht. Mein Tag ist voll von Dates. Die Parks dieser Stadt sind nicht nur weniger dicht von Gaunern besiedelt, sondern auch das Schönste an London. In der Tat so schön, dass ich sie alle besuchen möchte. Leider reichen dafür Zone 1 und 2 der Traveller Card nicht aus, aber was ich mitnehmen kann nehme ich mit. Im Hyde Park blüht zwar kaum etwas (Februar und so), aber es hängt trotzdem ein Rosenduft in der Luft. Das wenige was blüht, wird von den zahlreichen Eichhörnchen ein wenig angenagt. Hier bin ich zuhause. Der Hyde Park ist toll, nur die Stadt stört. Städte stören immer, London ganz besonders, weil sie eine Stadt der Kontraste ist. Man kann nicht einfach sagen London sei furchtbar oder es sei wundervoll. Man kann kein Pauschalurteil abgeben. Gerade das was der Mensch am liebsten tut, funktioniert hier also nicht.
Die Gebäude in einigen Stadtteilen sind außerordentlich schön bis prunkvoll. Geht man weiter nach Westen kommt man in eine Steampunk-Kulisse in der viele in teilweiser Armut leben. Die Stadt ist auch so riesig, dass sie sich das erlauben kann: die einen Stadtteile werden ausgebeutet; Steuern ohne Gegenwert. Straßen werden kaum instand gehalten, Häuser verdrecken und niemand interessiert sich dafür. Der Sitz der Arbeiterbewegung ist eine Scheißekuhle geblieben. Eine Petrischale für neue Revolutionen, wenn nicht bereits die freie Meinung dermaßen untergraben worden wäre, dass es nur noch eine Meinung gibt. Ich bin am Ort des Geschehens von 1984. Orwell hat uns gewarnt aber hier hat ihn niemand gehört. Bald werden die Kameras in jeder Wohnung installiert und der 0-8-15 Londoner wird sich noch viel sicherer fühlen können.
Währenddessen fließen die Steuergelder in die schönen Teile der Metropole um eben jene zu erhalten. Dort ist nicht alles picobello, aber verfallene Gebäude sucht man vergeblich. Die privilegierten Wenigen sitzen hier und treiben ihre Scherze mit dem Ungeziefer der unteren Ebenen. Das Musical ist da ausgesprochen präzise. Allein dieser Song spiegelt die Londoner Gesellschaft bis heute wieder. London muss uns ein Beispiel sein, ein negativ Beispiel, damit wir sehen was wir in Deutschland besser machen müssen.
Genug der politischen Traktate, wenden wir uns wichtigeren Dingen zu, denn der Trip ist noch nicht zu ende, oh nein, was wäre ich froh wenn dem so wäre.

Zur Touristenabwehr haben die Londoner sich etwas besonderes einfallen lassen: Eine Art Super-Krankheit hat uns – das heißt meinen Kumpel und mich – befallen: Schwindel, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Lethargie und Müdigkeit suchen uns seit der Landung heim. Keiner weiß warum, nicht einmal das Internet. Da heißt es Zähne zusammenbeißen und durch. Aber wodurch? Durch die Zeit die man hier ist. Zumindest für mich gilt das. Mein Kumpel will dringend mal in einen Pub, ich will nur… was will ich eigentlich? Ich weiß es gar nicht so genau. Ich gebe mir mit ihm die beleuchtete Tower Bridge und hoffe, dass ich dann einfach zurück aufs Zimmer kann. Die Abgase in den Streßen und Tunneln der U-Bahn sind sicher genauso gesund wie ein zehnminütiger Aufenthalt unter Wasser. Wie die Londoner leben können verstehe ich sowiso nicht, was mir Kopfzerbrechen bereitet ist die Frage, wie sie überleben können.
Nach einem kurzen Schläfchen am Abend werde ich rüde von einem
Mitschläfer geweckt, genau zur rechten Zeit, was erstaunlich ist, da unsere Mitschläferrin mich noch eine Stunde zu lange wach gehalten hat. Es ist 3 Uhr morgens und scheinbar schläft London doch schon. Eine Internetsuche liefert keine brauchbaren Ergebnisse nach Pubs die noch geöffnet hätten. Es bleibt wohl nur die Commercial Street, oder ich setze mich unter einem Vorwand ab und verschanze mich auf dem Klo.

Hier geht es zum vierten und letzten Teil.

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2 Gedanken zu “Reisebericht London, Teil 3: Parks und Pubs

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