Fasten, Detox, entschlacken und der ganze andere Kram.

Der übliche Disclaimer vorweg: Wenn ihr zu verbohrt oder esoterisch zum Diskutieren anderer Meinungen seid und Wissenschaft nur als Religion 2.0 seht, hört hier auf zu lesen, ihr macht euch nur unglücklich.
Fasten ist die Praxis, sein Ernährungsverhalten dergestalt einzuschränken, nur sehr wenige bis gar keine Kalorien über einen definierten Zeitraum (meist 5 bis 40 Tage) aufzunehmen. Dazu kann sich jemand aus diversen Gründen motiviert fühlen, beispielsweise Religion oder Gesundheit. Dabei möchte ich religiöse Gründe hier von vorn herein ausklammern. Ich halte zwar den Großteil aller Religionen auf Erden für total bescheuert, aber jeder soll seine Religion vertreten, solange er damit niemandem sonst auf die Füße tritt. Kommen wir also gleich zu gesundheitlichen Aspekten.
Das sog. »Heilfasten« und manchmal auch als »Detox« (detoxification) genannt, soll dazu dienen, den Körper zu entgiften. Häufig verwendet wird auch ein Unbegriff, der fast schon gedankenlos verwendet wird, nämlich die »Entschlackung«. Manche Menschen fasten auch zur Gewichtsreduktion. Gelegentlich kommen auch Dinge wie Sauerkrautsaft zum Einsatz um die Selbstreinigung des Körper zusätzlich anzuregen. Manchmal wird auch ein Klistier durchgeführt.
»Heilfasten« soll – nach Ansicht der Befürworter – bei einer ganzen Reihe Krankheitsbildern wahre Wunder vollbringen. Darunter »Burn Out«, Diabetes II, Akne, Asthma und sogar Rheuma (u.v.m.).
Das klingt alles sehr gut, allerdings – ihr ahnt es sicher – gibt es dafür keine Beweise. Diese ganzen schönen Versprechungen und Behauptungen stehen lose im Raum, aufgestellt von esoterisch angehauchten Gurus und Pseudowissenschaftlern. »echte Wissenschaften« konnten keine Beweise liefern. Lediglich bei Fettleibigkeit könnte Fasten hilfreich sein, aber auch da wird es nicht empfohlen, das Risiko eines eintretenden »Jojo-Effektes« ist einfach zu groß.
Und nun zum Thema »entschlacken«, also der Entgiftung des Körpers. Das ist so eine Unart, ich weiß gar nicht, wer sich solch einen Scheiß ausgedacht hat. Es gibt im menschlichem Körper keine Schlacke. Und was es nicht gibt kann man auch nicht entfernen. Schlacke, das ist ein Rückstand, der bei Verbrennungen entstehen kann. Und zwar dann, wenn ein Feuer so heiß ist, dass selbst die Asche schmilzt. Die Asche bildet dann eine zähflüssige Masse, die nur noch im Straßenbau oder sonst wie Anwendung findet. Schlacke entsteht sehr häufig bei Müllverbrennungen. Ihr wisst schon, das ist, wenn man den ganzen Müll samt Rohstoffe nimmt und einfach durch den Schornstein pustet. Daher hier auch der Aufruf: Müll trennen bitte! Wir brauchen die Rohstoffe noch, es gibt nämlich nicht unbegrenzt viel davon.
Wenn Fasten überhaupt eine Wirkung erzielt, dann eine rein psychische. Der Placebo-Effekt liegt hier sehr nahe. Wenn jemand denkt, dass er sich etwas gutes tut, dann fühlt er sich auch gut. Leider kann das trügerisch werden, denn längeres fasten kann sehr gefährlich werden. Wer wirklich nicht die Finger davon lassen kann, sollte vorher unbedingt seinen Arzt konsultieren.
Nun ja. Nächste Woche Samstag wird ein weiterer Artikel zum Thema fasten kommen, wo ich eine (genauer zwei) spezielle Form des Fastens genauer unter die Lupe nehmen werde. Und wer abnehmen möchte, sollte sich den Artikel dann unbedingt geben.

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5 Gedanken zu “Fasten, Detox, entschlacken und der ganze andere Kram.

  1. Hey Matthias,

    (uuh, ich schon wieder, ich weiß^^) ich beschäftige mich auch schon seit einigen Jahren mit Heilfasten und muss dir tlw. widersprechen … Prinzipiell sollte man unterscheiden zwischen „Entschlacken“ oder “Detoxkuren“ wie sie in den Massenmedien usw. propagiert werden (nur Obst / Gemüse / viel Wasser / spezielle Säfte / Basenfasten / weiß der Geier was sonst noch) und dem therapeutischen Heilfasten, das richtig durchgeführt werden muss. Zweiteres wurde schon vor ca. 100 Jahren von Dr. Otto Buchinger entwickelt/entdeckt, der als Arzt signifikante Besserungen bei seinen Patienten beobachten konnte (u.a. bei Gicht, Rheumatismus, Bluthochdruck, Hautkrankheiten, DM II etc.). Diese Fastenwirkung ist sehr wohl belegt, Fastentherapien werden heute offiziell in Kliniken unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt (kann man als gesunder Mensch über einen gewissen Zeitraum auch ganz gut daheim durchführen, wenn’s keine Kontraindikationen gibt).

    Dass es auf physiologischer Ebene wirkt, konnte auch in kleineren Studien sowie aus ärztlicher Erfahrung in Dtl. sowie den USA bestätigt werden (auch wenn die Mechanismen noch nicht komplett aufgeschlüsselt sind), das Problem ist nur, dass keine groß angelegten klinischen Studien bzw. einschlägige Forschung finanziert werden, da Heilfasten als Therapie kaum lukrativ wäre und u.U. Konkurrenz zur Pharmaindustrie, die mit lebenslanger Versorgung chronisch kranker Patienten verständlicherweise besser fährt. In der ehemaligen Sowjetunion wurde Heilfasten übrgs. auch schon vor Jahrzehnten im großen Stil erfolgreich als medizinische Behandlung bei bestimmten Krankheitsbildern angewendet, wofür es reichlich Belege gibt. Wurden nur nie übersetzt oder groß publik gemacht.

    Davon abgesehen konnte sowohl in Studien mit Mäusen als auch mit Patienten ein positiver Effekt bei Krebstherapie beobachtet werden (Chemo wirkt besser, weniger Nebenwirkungen, Tumorzellen sterben tlw. auch nur durch den Fastenstoffwechsel ab, da Glukosespiegel (Glukose = Hauptenergielieferant) sehr niedrig ist, während gesunde Zellen geschützt werden).

    Recht gut gemachte arte-Reportage dazu gibt’s übrigens hier: https://www.youtube.com/watch?v=nPU65RormlY. Völlig frei von Religion & Esoterik (bin ich im Übrigen auch absolut kein Fan von).

    schöne Grüße, HR

    (die Mail bzw. Petition an deine Zweitadresse hast du eh bekommen?)

    • und um Missverständnisse zu vemeinden: ich meine keinesfalls, dass Heilfasten als ein Allheilmittel für alles und jeden angesehen werden sollte, sondern dass es als in vielen Fällen scheinbar wirksame therapeutische Option sehr wohl seine Berechtingung hat, auch begleitend zu schulmedizinischer Therapie.

      • Begleitend zur Schulmedizin bedeutet nur, dass man in beides nicht genug Vertrauen hat, sodass man die esoterischen Patienten mit Homöopathie und die pragmatischen Patienten mit Meds lockt. Wenn etwas nachweisliche Wirkung besitzt geht es in Schulmedizin über. ;)

    • Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Aber: Ähm… Nein.
      Zunächst mal: Es wird allerhand abergläubischer Unsinn in Kliniken praktiziert. Die renale Denervation zur Blutdrucksenkung beispielsweiese. Ihr einziger Effekt ist die Umverteilung von Reichtümern, denn den Blutdruck beeinflussen tut dieser Eingriff nicht, wie SIMPLICITY gezeigt hat. Daher ist das Argumt X Y wird in Kliniken durchgeführt erstmal ohne Wert. Alles was sich rechtfertigen lässt wird in Kliniken durchgeführt um Einkünfte zu generieren.
      Buchingers Idee vom „Heilfasten“ ist eben auch nicht belegt nutzbringend und wird von der DGE bestenfalls als Einführung in eine „vollwertige Ernährung“ gesehen. Die positiven Effekte die beim klassischem Heilfasten beobachtet werden, sind psychisch induziert, was sich besonders daran zeigt, dass Hormone wie Serotonin verstärkt gebildet werden, wenn man fastet. Und wenn ein vertrauensvoller Patient von seinem Arzt erklärt bekommt wie gut dies und jenes wirkt, dann ist es von Anfang an sehr wahrscheinlich, dass es gut wirkt. Das ist externes Mind-setting.

      Die von dir verlinkte Reportage halte ich indes für wenig objektiv. Von Anfang an findet ein eben solches Mind-setting statt; es ist weiterhin von Entgiftung und Entschlackung die Rede. Erst gegen Ende kommen dann einige wichtigere Aspekte, das ist mir auch alles nichts neues. Ich rate von langzweitfasten dennoch ab. Und einige Schlussfolgerungen in der Doku sind fehlerhaft.
      Aber ich will nichts vorweg nehmen. Wenn du etwas mit echten Studienergebnissen sehen möchtest, was ausgiebig erforscht wurde und wird, dann gedulde dich noch etwas. Nächsten Samstag und (hoffentlich) den Samstag darauf erscheinen hier entsprechende Artikel.

      Viele Grüße

      P.S.: Ja, habe ich gelesen. Ich überlege noch.

      • „Begleitend zur Schulmedizin bedeutet nur, dass man in beides nicht genug Vertrauen hat, sodass man die esoterischen Patienten mit Homöopathie und die pragmatischen Patienten mit Meds lockt.“

        Hmm, finde ich ein wenig undifferenziert. Klar wird sowohl mit konventionellen Medikamenten (sowie mit Quoten-OP’s) als auch mit Homöopathika Geld ohne Ende gemacht. Nur ist es eben auch so, dass eines von beidem bei bestimmten gesund. Situationen eine bessere Wirksamkeit zeigt als das andere, und eine Kombination von beidem u.U. das Optimalste ist. Ich halte weder die Naturheilkunde, noch Schuldmedizin für die ultimative Lösung für jede Situation, aber beide können in bestimmten Bereichen sehr wohl nutzenbringend sein (ich habe auch von Homöopathie nicht viel gehalten, bis wir die Blutwerte unserer 2 CNI-Katzen mit einem hom. Komplexmittel als alleinige Therapie deutlich runterbringen konnten – Placebo?). Dass man in beides kein grenzenloses Vertrauen haben kann bedeutet nicht, dass man es gleich zur Gänze verwerfen muss. (Was wäre die Alternative? Gar keine Medizin?)

        „Buchingers Idee vom “Heilfasten” ist eben auch nicht belegt nutzbringend und wird von der DGE bestenfalls als Einführung in eine “vollwertige Ernährung” gesehen.“

        Ich finde es etwas problematisch, positive Erfahrungswerte mit Hunderten bis Tausenden von Patienten allersamt als Folge des Placebo-Effekts abzutun. Zudem einiges auch in Tierversuchen (u.A. die Chemo-Gabe bei fastenden/gefütterten Mäusen, wobei man wohl kaum vom Placebo sprechen kann) wiederholt durchgeführt wurde und sich in den Ergebnissen mit Patientenerfahrung deckt. Und ganz ehrlich, wenn sich der gesundheitliche Zustand bessert, gerade bei den ganzen chronischen Geschichten oder während der Chemotherapie, egal ob nachweisbar physiologisch oder nur durch die mentale Einstellung (was ich nicht denke), why not? Mal abgesehen von der potentiellen Abzocke. Die Sache ist nur, dass du genauso wenig wissenschaftlich belegen kannst, dass die Wirksamkeit von Heilfasten ALLEINE dem positiven Mindsetting (auch wenn das zum Teil sicher nicht auszuschließen ist) zuzuschreiben ist, bzw. jede andere Theorien eher schwer alleine durch die Tatsache negieren kannst, dass sie noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt wurde (= ein bisschen Schwarz-Weiß-Denken?)

        Die Empfehlungen der DGE haben in meinen Augen nur wenig Aussagekraft, da die Verfassung vieler Richtlinien scheinbar etwas willkürlich von statten geht und sich nicht ausschließlich nach wissenschaftlichen Ergebnissen richtet.

        Der Begriff „Entschlackung“ ist zugegebenermaßen eher unglücklich gewählt, soll aber letztendlich nur die Vorstellung von etwas vereinfachen, was noch nicht im Detail untersucht und verstanden wurde. Trifft z.B. auf die Modelle der Quantentheorie gewissermaßen genauso zu.

        Bin trotzdem gespannt, was die nächsten Wochen noch so kommt, auch wenn wir bei dem Thema scheinbar unterschiedlicher Meinung sind. Soll ja vorkommen.

        Grüße, HR

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