Intermittierendes Fasten (I)

Meine Meinung zum Fasten allgemein und besonders zum »Heilfasten« und »Detox-Fasten« habe ich bereits dargelegt. Nun widmen wir uns einer anderen Methode des Fastens, dessen Theorie – so unglaublich es ist – selbst mich überzeugen konnte. Das sogenannte Alternate Day Fasting (ADF) ist eine von zwei bekannteren Version des intermittierenden Fastens und wird seit einigen Jahren intensiv in den USA erforscht. Die andere, inzwischen vielleicht bekanntere, Version ist das 5:2 Fasten nach Micheal Mosley und Mimi Spencer, vorgestellt in ihrem Buch »The Fast Diet«.

Michael Mosley ist Mediziner und Journalist bei der BBC. Dort hat er sich in einer Doku (»Eat, Fast and live longer«) mit dem Thema Ernährung bzw Gesundheit allgemein und Fasten im Besonderen befasst. Dabei wurden verschiedene Modelle beleuchtet. Auch das einwöchige Fasten, welches Mosley selbst probiert hatte. Mit dem Ergebnis, dass kurz darauf jeder Fortschritt verloren war. Zudem hielt er es für zu schwierig. Um langfristig Erfolge mit Fasten zu erzielen müsste man jeden Monat eine Woche lang fasten.
Mosley fand dann Wissenschaftler in den USA, die seit einigen Jahren am intermittierendem Fasten forschten. Diese Studien waren bis zur Veröffentlichung der BBC Dokumentation weitgehend unbekannt, vor Allem in Europa. Die Forscher haben herausgefunden, dass intermittierendes Fasten eine Vielzahl von gesundheitlichen Vorteilen bringt, ohne dabei die Nachteile konventionellen Fastens zu haben.
Beispielsweise ist Fasten mit Säften oder Suppen mit wenigen Kalorien sehr nachteilig, wenn man beachtet was dabei verloren geht: sekundäre Pflanzenteile. Das sind all die Stoffe in Pflanzen, die zwar keinen Nährwert haben, aber – wie neuere Studien zweigen – besonders positiv auf den Körper wirken können. Fasern machen nicht nur länger satt, sie haben auch Einfluss auf den Blutzucker, die Verwendung dessen (Fruktose wird langsamer an die Leber abgegeben) und können sogar das Risiko auf einige Krebsarten senken. Bei Suppen, Brühen und Säften sind diese Fasern nicht vorhanden. In solchen Fasten-Diäten werden sie verbannt. Wenn man beim »Detox-Fasten« also seinen Sauerkrautsaft schlürft, wirkt das zwar immernoch abführend und schmeckt ekelhaft, aber all die Fasern, die man eigentlich haben möchte sind futsch.

Beim intermittierendem Fasten mussten die Probanden an Fastentagen ihre Kalorienaufnahme um 75% senken. Frauen dürfen dabei 400-500 kcal aufnehmen, Männer 500-600 kcal. Am darauffolgendem Tag durften sie so viel essen wie sie wollten und was sie wollten. Die Forscher hatten zunächst erwartet, dass die Probanden dann 200% ihres Kalorienbedarfs aufnehmen würden und der Erfolg des Fastentages hinfällig wäre, aber es stellte sich raus, dass das beinahe nicht möglich ist. Da der Magen an Fastentagen auch schrumpft und man ohnehin nicht unbegrenzt essen und trinken kann. So kommen die Testpersonen in der Regel auf etwa 110% der Kalorien. Und das immer im Wechsel: einen Tag fasten, einen Tag essen was man möchte, einen Tag fasten, einen Tag essen, usw. – Dabei konnten die Forscher beobachten, wie die Probanden deutlich an Gewicht verloren.
80 bis 100% des Gewichtsverlustes war Fett. Das bedeutet, dass bei intermittierendem Fasten keine Muskelmasse abgebaut ist. Dieser Muskelabbau ist ein großes Problem bei den meisten kalorienbeschränkten Diäten, inklusive dem »konventionellem« Fasten. Und da Muskeln uns nicht nur gut aussehen lassen, sondern für unser Überleben, unsere Gesundheit und unsere Beweglichkeit enorm wichtig sind, gilt gerade den Muskelabbau zu verhindern.

Eine weitere Entdeckung machten andere Forscher beim Versuch mit Mäusen. Mäuse, deren Ahnen normalerweise mit einem Jahr Alzheimer und Demenz entwickelten, wurden auf eine IF-Diät gesetzt. Eine Testgruppe bekam Fast Food. Die »Fast-Food-Mäuse« bekamen Alzheimer und Demenz binnen einiger Monate, manche sogar schon mit sechs Monaten. Die Mäuse auf IF-Diät bekamen Alzheimer und Demenz erst mit etwa zwei Jahren, was umgerechnet etwa 90 Menschenjahre wären.
Und als ob das alles nicht genug wäre, zeigte sich, dass beim intermittierendem Fasten auch die Insulin-Sensibilität des Körpers steigt. Denselben Effekt kann man beim langfristigem Fasten ebenfalls beobachten. Diese Insulin-Sensibilität ist auf die verringerte Aufnahme von Zucker zurückzuführen. Da beim intermittierendem Fasten außerdem Fett abgebaut wird ist es sehr wahrscheinlich, dass darunter auch Visceralfett ist, welches mit Diabetes Typ 2 und Herzkreislauferkrankungen in Zusammenhang steht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass IF viele potenzielle Vorteile birgt. Unter Anderem scheint diese Diätform die Risiken für Alzheimer, Demenz, Diabetes Mellitus und Herzkreislauferkrankungen zu senken, man kann damit sehr gut abnehmen und es ist erstaunlich einfach durchzuhalten. Wenn ihr mehr wissen möchtet wartet nächsten Samstag ab. Denn ich selbst habe ADF getestet und meine täglichen Körperanalysewerte aufgezeichnet. Diese und das Ergebnis werde ich nächsten Samstag veröffentlichen. Und dann werde ich auch etwas näher auf Mosleys 5:2 »Fast-Diet« eingehen.

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5 Gedanken zu “Intermittierendes Fasten (I)

  1. „Mäuse, deren Ahnen normalerweise mit einem Jahr Alzheimer und Demenz entwickelten, wurden auf eine IF-Diät gesetzt. Eine Testgruppe bekam Fast Food. Die »Fast-Food-Mäuse« bekamen Alzheimer und Demenz binnen einiger Monate, manche sogar schon mit sechs Monaten. Die Mäuse auf IF-Diät bekamen Alzheimer und Demenz erst mit etwa zwei Jahren, was umgerechnet etwa 90 Menschenjahre wären.“

    Wo bleibt die Gruppe, wo Demenz-Mäuse „gesundes“ Futter bekommen ? Ist ja klar, dass man aus Junk/Fastfood keine Vorteile ziehen kann.

    Außerdem verstehe ich nicht, wie man immer von Studien, die an Mäusen durchgeführt werden, auf Menschen schließt. Menschen sind schlicht und einfach keine Nager.

    • „Wo bleibt die Gruppe, wo Demenz-Mäuse “gesundes” Futter bekommen ? Ist ja klar, dass man aus Junk/Fastfood keine Vorteile ziehen kann.“
      Das sind die, die im Alter von einem Jahr Alzheimer bekommen. ;-)

      Mäuse sind Säugetiere, Menschen sind Säugetiere. Beide haben evolutionär betrachtet einen gemeinsamen Vorfahren und haben sehr identische Genome. Einige Genome ähneln den des Menschen zu 60%, andere gehen rauf auf bis zu 99%. Darum können die Ergebnisse bei Tierversuchen an Mäusen übertragen werden und eine Tendenz erahnen lassen. Ein sicheres Ergebnis liefert das zwar nicht, aber das bekommt man nichtmal bei Versuchen an Menschen, insofern…
      Was hierbei interessant ist, ist dass die Mäuse auf IF-Diät tatsächlich neue Gehirnzellen gebildet haben. Das lässt sich damit erklären, dass man einfallsreich und schlau sein muss, wenn man jeden Tag um sein Essen kämpfen muss. Und da solche Prinzipien für jede Spezies äquivalent gelten, lässt sich das sehr sicher übertragen.

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