Gabel und Kartoffel

Das Thema Mittelalter hat begonnen und mit ihm werden eine Reihe Rezepte kommen, die seit dem jener Zeit bekannt sind und solche, die es damals waren und heute beinahe ausgestorben sind. Schande, denn vieles schmeckt ganz hervorragend und bietet unseren Geschmacksnerven neue Herausforderungen.
Was es im damals hingegen nicht gab, war die Kartoffel. Diese wurde nämlich von den spanischen Conquistadores nach Europa gebracht und das auch erst im 16. Jahrhundert. Demnach war man im Mittelalter auf andere Beilagen angewiesen. Eine große Rolle spielte dabei das Brot. Dunkles wohlgemerkt, Weißes war ein Festtagesessen.
Ähnlich verhält es sich mit der Gabel: zwar kannte man sie schon ewig, jedoch verwendete man sie zu Tische nicht. Sie galt als Symbol des Teufels und behielt diesen Status lange bei. Bis zum 19. Jahrhundert war es eine Unart und Modeerscheinung die Gabel zum Essen zu verwenden, auch wenn während der Renaissance nicht mehr die Rede von einem »Symbol des Teufels« war. Und das obwohl der italienische Adel bereits im 14. Jahrhundert vereinzelt Obst mit Gabeln aß. Die Alternative jener Tage? Die Hände natürlich. So gab es die Grundregel: was gereicht wird isst man entweder mit drei Fingern oder einem Stück Brot. Am verbreitetsten war das Messer als Essbesteck, welches aufgrund hoher Kosten jedoch nicht an den Platz gelegt, sondern von jedem selbst am Gürtel geführt wurde. So hatte es vielfältige Anwendungsbereiche.
Zu großer Bedeutung gelangte die Gabel erst, als sich die Kartoffel als Beilage zum Essen durchsetzte und man anfing ihren praktischen Nutzen zu erkennen. So fand man heraus, dass Kartoffeln eine bindende Wirkung haben. Wenn man die Erdäpfel zerdrückte konnte man die Sauce auf dem Teller also gut aufnehmen. So kam man darauf die Gabel zu diesem Zwecke zu verwenden, da sich mit ihr die Kartoffeln leicht zu einem Brei verarbeiten lassen.
Wer sich die Volle Ladung Mittelalter geben will, der muss somit auf Gabel und Kartoffel verzichten. Das mag für zuhause ein wenig überzogen sein, aber wenigstens bei sogenannten »Mittelalteressen« sollte man meinen sich daran zu halten. Doch weit gefehlt: häufig Findet sich bei solchen Veranstaltungen zumindest die Kartoffel auf den Tellern wieder.

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