Frames, die die Welt nicht braucht..?

Warnung: Wenn ihr nicht wisst, was eine Framerate bzw. Bildwiederholungsrate ist, lest euch das bitte irgendwo an. Hier werde ich darauf nicht gesondert eingehen.

YouTube hat vor Kurzem die Wiedergabe von 60 FPS Videos ermöglicht. Die High-Class Let’s Player stürzen sich jetzt natürlich alle darauf. 60 Frames Per Second gelten bei Videospielen seit Langem als Perfekt. Es gibt immer Leute die mehr wollen, aber 60 ist gemeinhin anerkannt als der Heilige Gral. Und seitdem das so ist, gibt es auch immer wieder die Debatte darüber was der Mensch überhaupt wahrnehmen kann und was nicht und ob 60 FPS überhaupt sinnvoll sind, da er ja schon ab etwa 13 FPS flüssige Videos schauen könnte. Und Gameplay-Videos werden traditionell in 30 FPS aufgenommen, das hat sich so eingebürgert. Im Kino sind es üblicherweise 24 FPS.

Wie bei jeder Internetdebatte gibt es auch hier wieder drei Lager:

  1. Die Fanboys:
    60 FPS sind totaaaaaal viel besser als <60 und überhaupt kann der Mensch sehr viel mehr wahrnehmen und alle anderen sind eh Idioten. Warum? WEIL DAS HALT SO IS!!!!11!11!einself
  2. Die Hater:
    Alles Quatsch, 30 FPS reichen aus, immerhin sind Filme ja auch nur in 24 FPS und 30 ist ja schon mehr als 24. 60 braucht aber wirklich niemand. Und oh, von 60 FPS wird einem auch total übel. Also körperlich jetz.
  3. Die Genervten:
    Diese ganze Diskussion ist doch total nervig. Es ist doch echt scheißegal, Hauptsache ich kann’s gucken.

Und die ersten beiden Gruppen teilen sich dann noch in diverse pseudo-wissenschaftliche Untergruppen, die irgendwas wiedergeben, was sie vor fünf Jahren mal vom Onkel eines Freundes, der bei Nintendo arbeitet, erfahren haben.
Und wie bei allen Internetdiskussionen weiß am Ende keiner mehr irgendwas. Naja, außer mir halt. Ich weiß wie die Sache wirklich ist und ich will sie los werden, bevor ich platze. Jaja, ich weiß, Wissensprostitution, mimimi… -.-‚

Also was stimmt ist, dass der Mensch ab etwa 13 FPS bereits flüssige Filme schauen kann. Was nicht stimmt ist, dass er nicht mehr als 13/15/18/xy FPS erkennen kann. Was stimmt ist, dass er unter Umständen keinen Unterschied zwischen zwei Framerates erkennen kann. Warum ist das nur alles so?
Die Antwort auf diese Frage ist: Motion Bluring. Das ist wenn Objekte auf Bildern verwischen, sodass man sie als Streifen wahrnimmt. Generelle Regel ist: Je mehr Motion Bluring vorhanden, desto geringer die benötigte Framerate, desto geringer die Bildqualität. Das liegt daran, dass der Mensch, sobald er bewegte Bilder sieht, nur einem Trick unterliegt. Dem Gehirn wird eine echte Bewegung dadurch vorgegaukelt, dass man ihm sich unterscheidende Bilder zeigt. Alles was eine echte Kamera aufzeichnet ist von hause aus »geblurt« also verwischt. Eine Kamera ist einfach nicht in der Lage Bilder von schnellen Objekten unverwischt aufzuzeichnen. Das weiß jeder, der mal versucht hat ein schnell fahrendes Auto abzulichten. Darum sind alle Filme, die wir im Kino sehen in 24 FPS. Es reicht absolut aus, da die Bilder eh so verwischt sind, dass wir sie schon ab +/- 18 FPS flüssig sehen würden. Und selbst wenn diese einzelnen Bilder stark voneinander unterscheiden (was bei schnellen Bewegungen immer der Fall ist), sehen wir es dank der Verwischung trotzdem flüssig. Durch diese Verschmiertheit erkennen wir die großen Unterschiede nämlich nicht mehr.

Bei Computerspielen liegt der Fall anders. Hier sind extrem hochauflösende Texturen kombiniert mit gestochen scharfen Einzelbildern vorhanden. Motion Bluring gibt es hier nicht, weil der Computer jedes Bild selbst berechnet und ausgibt. Wenn man hier eine geringe Framerate bei schnellen Bewegungen hat, so unterscheiden sich auch bei 30 FPS die einzelnen Bilder noch sehr stark voneinander. Und da die einzelnen Bilder alle scharf sind, erkennen wir die große Unterschiedlichkeit der Bilder mehr oder Minder gut. Bei sehr schnellen Bewegungen erkennen wir ein stottern, während wir bei sehr langsamen Bildern vermutlich ein sehr flüssiges Bild haben. (Einfach weil sich dann die Bilder nur leicht unterscheiden, die Framerate aber gleich hoch geblieben ist.) Darum sind bei Computern höhere Framerates einfach flüssiger. Weil die Bilder sich dann untereinander kaum noch unterscheiden.

Ein weiterer Faktor, der neben Motion Bluring eine Rolle spielt ist die Helligkeit einer Aufnahme, aber das führt zu weit. Das oben Genannte sollte erstmal ausreichen um das allgemeine Halbwissen zu diesem Thema zu bekämpfen.
Wie viele Bilder pro Sekunde ein Mensch nun eigentlich maximal wahrnehmen kann ist nicht final geklärt. Aber wir wissen nun zumindest eines: Viele Frames per Second allein machen noch keinen Sommer.

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