Von Guten, Schlechten und Stachelschweinen.

Der Till hat ein Video gemacht, in dem er mal ein wenig Selbstreflektion beweist und eine Reihe philosophischer Fragestellungen anschneidet. Ob gute/schlechte Menschen gut/schlecht geboren werden, ob sie dazu erzogen werden, was sie ausmacht, etc. Damit setzt er sich – vermutlich ohne es zu ahnen und zu beabsichtigen – in einen Whirlpool (Boote sind alt) mit Thomas Hobbes und vielen anderen. Hobbes bspw. ging davon aus, dass alle Menschen – grob vereinfacht – schlecht seien und daher schlug er das Gewaltmonopol vor: alle Gewalt solle vom Staat ausgehen um die Menschen sozusagen schön bei der Knute zu halten. Dann kamen seine Nachfolger und meinten »Nee, äh, das is ja gar nich so.« Es wurde entsprechend von rein schwarz zu schwarz-weiß zu grau zu bunt und zurück zu grau und kreuz und quer mit Abstechern ins Grauenvolle und so weiter und so weiter.

Doch was ist nun die Wahrheit? Hat Hobbes recht? Oder Till mit seiner Frage ob es von der Mehrheit abhängt? Ich sage nein. Zu beidem. Lasst mich das erklären:

Menschen sind nicht von Geburt an schlecht, sie sind auch nicht von Geburt an gut, noch werden sie im Laufe ihres Lebens das eine oder andere. Menschen sind vor allem eines: Menschen (aka total hassenswerte humanoide Geschöpfe des Planeten Erde). Menschen sind Menschen, sowas bringt eine Menge mit sich. Beispielsweise großen Verstand und Intellekt, daraus resultierend aber auch große Verantwortung. Beispielsweise die Verantwortung sich seines Verstandes zu bedienen (nach Immanuel Kant).
Dieser Verstand ist aber auch von Myriaden von Faktoren abhängig. Zum Beispiel vom Zeitgeist, von der Erziehung, dem (sozio-)kulturellen Hintergrund, Gesetzen, Normen, … Die Liste lässt sich beliebig erweitern. Alles zusammen genommen, also die Summe der Teile ist dann der Mensch als Individuum. Und weil wir so individuell sind ist es völlig absurd zu kategorisieren, besonders wenn es um gut und schlecht geht. Zumindest wenn man es objektiv betrachtet. Subjektiv hingegen kann man sehr wohl in gut und schlecht einteilen, das ist dann die persönliche Ansicht eines Menschen von einem anderen. Und oft genug ist die auch nicht das eine oder andere.

Ist es also doch die Ansicht der Gesamtheit? Nein, denn das Wesen eines Menschen wird nicht durch ein Mehrheitsvotum bestimmt. Es ist und bleibt eine grundlegend Individuelle Sache, die jeder selbst entscheiden muss.
(Natürlich sind nicht alle Menschen gleich gut qualifiziert solche Entscheidungen zu treffen, da es ja so Freaks geben soll, die sich von Gefühlen (ver-)leiten lassen oder eine Meinung bilden ohne sich vorher hinreichend informiert zu haben. Das ist auch der Grund, warum Asperger-Autisten in der Hinsicht regelmäßig Maßstäbe setzen. Keiner sieht die Welt so klar und ungefiltert wie sie ist. Aspis sind im Grunde die idealen Diktatoren, die wissen wirklich was das beste für alle ist. Es ist nicht was die Leute wollen, aber darum geht es auch nicht.) Damit bestimmen vor Allem jene unserer Nachfahren, die unser gesamtes Wesen betrachten, was wir sind. Und genau das ist die Essenz meiner Visitenkarte:

Visitenkarte P._1_1 (konvertiert)_1_1
Fun Fact: Ich habe den Spruch drau geklatscht, nachdem ich mein Studium abbrach und zeitweise in der Orientierungsphase war und demnach keinen Beruf draufzuschreiben hatte. Der Spruch kommt übrigens nicht von mir, sondern von einem NPC aus dem Computerspiel The Witcher 2 von CD Project Red. Der Stil der Karte ist abgekupfert von American Psycho, entsprechend muss die Karte auf eierschalenweißes Papier geprägt werden. xD

Worum es also bei dieser Fragestellung wirklich geht ist also die Meinung des einzelnen. Und diese ist – wie bereits gesagt – auch nicht immer eindeutig. Deshalb hat Schopenhauer die Parabel von den Stachelschweinen geschrieben. (Und da dieser leider schon lange verstorben ist darf ich es sogar hier vollständig zitieren:

Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich an einem kalten Wintertage recht nah zusammen, um sich durch die gegenseitige Wärme vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln, welches sie dann wieder von einander entfernte. Wann nun das Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher zusammenbrachte, wiederholte sich jenes zweite Übel, so da sie zwischen beiden Leiden hin und her geworfen wurden, bis sie eine mäßige Entfernung voneinander herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten.

So treibt das Bedürfnis der Gesellschaft, aus der Leere und Monotonie des eigenen Innern entsprungen, die Menschen zueinander; aber ihre vielen widerwärtigen Eigenschaften und unerträglichen Fehler stoßen sie wieder voneinander ab. Die mittlere Entfernung, die sie endlich herausfinden, und bei welcher ein Beisammensein bestehen kann, ist die Höflichkeit und feine Sitte. Dem, der sich nicht in dieser Entfernung hält, ruft man in England zu: keep your distance! – Vermöge derselben wird zwar das Bedürfnis gegenseitiger Erwärmung nur unvollkommen befriedigt, dafür aber der Stich der Stacheln nicht empfunden.

Wer jedoch viel eigene, innere Wärme hat, bleibt lieber aus der Gesellschaft weg, um keine Beschwerde zu geben, noch zu empfangen.

– Die Stachelschweine von Arthur Schopenhauer

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»Keep your distance!«; aber irgendwie haben echte Stachelschweine es dann doch raus sich nahe beisammen aufzuhalten. Der Mensch ist und bleibt eben das einzige Tier, dass sich gegenseitig zu Tausenden abschlachtet. Bild: Brigitte Heinen / pixelio.de

Interpretation: Wir brauchen den Kontakt zu Menschen um glücklich zu sein, gleichzeitig finden wir ihre zahlreichen unangenehmen Eigenschaften so abstoßend, dass wir ihnen eigentlich gar nicht all zu nah sein wollen. Also müssen wir den idealen Abstand finden um uns gegenseitig auszuhalten und gleichzeitig die Befriedigung sozialer Kontakte zu erleben. Und wenn es mal einen gibt, der ohne soziale Kontakte auskommt tut er gut daran sich aus der Welt der Menschen heraus zu halten und als Eremit zu leben.

Übertragen auf die vorliegende Fragestellung bedeutet dies, dass unsere Meinung von einem ständig schwanken kann. Es gibt keine Möglichkeit dies zu verhindern, außer der Gesellschaft fern zu bleiben.

So long…

 

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