Kundenundienst: Gaststätte im Kulturzentrum der Brunsviga

Mal die äußeren Rahmenbedingungen: Ich bin häufiger in der Brunsviga, dem sog. »Kultur- und Kommunikationszentrum« in Braunschweig. Dort werden vergleichsweise günstige aber unterhaltsame Theaterstücke dargeboten, sowie Kabarett, und alles Mögliche dazwischen. Es gibt auch viele Gruppenräume und eine kleine Gaststätte. In dieser Gaststätte gibt es eine recht breite Auswahl vegetarischer und veganer Speisen, die auch überwiegend gut schmecken, was man – auch in Anbetracht der jüngsten Ereignisse – einfach neidlos zugeben muss. Nur Kundenservice, den gibt es in der Brunsviga, zumindest der Gaststätte, nicht. Eher ein gutes Beispiel von Kundenundienst.

Als ich nämlich gestern mal wieder dort war bestellte ich mir mit einem Freund die Tomatensuppe. Er die vegetarische, ich die vegane. Die Kellnerin schrieb offenbar vegan auf. Soweit also alles gut. Das Essen kommt, es ist einmal die vegetarische Tomatensuppe mit Bohnen und einmal ohne… Wie jetzt? Na gut, dann wieder zurück, ich möchte keine Tomatensuppe mit Käse und wer weiß was noch. (Übrigens bezahlt man alle Speisen und Getränke im Voraus.) Die Suppe ist weniger als eine Minute weg (und es war ein Tag, an dem die Brunsviga recht voll war), da kam sie schon wieder zurück. Diesmal ohne Käse, aber mit Wilmersburger »Pizzakäse« oben drüber. Na gut, dann eben so, ging zwar sehr schnell aber ich dachte erstmal nichts dabei. Geschmacklich war sie kein Vergleich zum letzten mal, sie war wässrig und irgendwie fehlte das gewisse Etwas.

Plötzlich merkt mein Kumpel an, dass die Kräuterbutter auf dem Brötchen wohl nicht so vegan sei. Ich stutze und tatsächlich: Da ist etwas auf dem Brötchen, was mich doch sehr an Kräuterbutter denken lässt. Und wenn ich so drüber nachdenke: Eigentlich sollte bei der veganen Variante noch Spinat mit auf dem Knoblauchbrot sein, so habe ich selbst es schließlich mal nachgemacht, weil es mir so gut schmeckte. Sollte der Käse etwa nur abgehoben wurden sein? Eine Freundin fragt: »Hast du denn Bohnen in der Suppe?«
»Ne.«
»Ja, dann ist das die gleiche wie eben.«

Naja, ich habe es nicht sofort reklamiert und das hat auch drei Gründe: Ich hatte keinen Bock auf so einen Sermon um diese blöde Suppe und eine neue mit eventuell noch der Spucke des gesamten Küchenpersonals darin (nicht, dass ich der Gaststätte das zutrauen würde natürlich…) und ich hatte einfach Hunger und keine Zeit nochmal auf ne neue Suppe zu warten. So ist das bei festen Terminen. Als guter Kunde habe ich das Geschirr an den Tresen gebracht und schilderte meinen Fall. Ich hatte dabei keine Reklamation im Sinn. Ich sagte, ich habe die Vermutung, der Käse sei nur runter genommen wurden und das Brot habe scheinbar Kräuterbutter enthalten und dass ich daraus meine Schlüsse ziehen würde. (Dabei hatte ich erstmal nur im Kopf wohl seltener etwas in der Brunsviga zu verzehren.) Die Kellnerin meinte ich hätte damit vor dem Verzehr kommen müssen. Fair enough, aber ich wollte gar keine Reklamation. Der Wirt, der Küchenchef und was auch immer (der übrigens zu jeder Zeit, der man ihm begegnet eine leichte »Fahne« sein Eigen nennt) kam zufällig dazu und wurde von der Dame eingeweiht. Er war entsetzt. Darüber dass er sich sowas von einem Kunden bieten lassen müsse. Solche Anschuldigungen. Ich stellte klar, dass ich keine Reklamation wollte und ich keine Anschuldigungen erhebe, sondern nur mein Gefühl geäußert habe und ich daraus meine Konsequenzen ziehen werde. Dies sollte ich tun und er sei übrigens Vegetarier und habe noch Suppe im Topf gehabt. Als ob die Tatsache, dass er kein Fleisch isst uns in irgend einer – wie auch immer gearteten Weise – verbinden würde, zumal er trotzdem Fleischgerichte verkauft, seine Überzeugungen also nicht so groß wie sein Interesse an einem gefüllten Geldbeutel sein können. Er fing wieder an mit Anschuldigungen die ich erhoben hätte. Ich stellte erneut klar, dass ich mein Gefühl geäußert hatte, keine Anschuldigungen erhob. Der Wirt erwiderte wörtlich: »Deine Gefühle interessieren mich einen Scheiß!« und verscheuchte mich mit den Worten »Weg! Weg! Weg! Weg!« Ich ging und zumindest als Gast werde ich nicht wiederkehren.

Laut meines Kumpels habe der Wirt innerhalb der Zeit in der wir dort waren drei Bier getrunken und es ist tatsächlich zu beobachten, dass der Herr sich häufig am Abend ein neues Bier selbst ausschenkt. Das ist mir schon früher aufgefallen, man sieht ihn auch häufig mit einem Bier in der Hand. Ich vermute mal, der Herr hat ein Alkoholproblem, es ist auch nicht das erste mal, dass er unserer kleinen Runde unangenehm aufgefallen ist. Aber das hatte ganz andere Gründe. Jedenfalls soweit mein Bericht. Ich versichere, dass es so abgelaufen ist und ich kann nur empfehlen die Gaststätte der Brunsviga zu meiden. Auch wenn es hier eine reichhaltige Auswahl veganer Speisen gibt – was in Braunschweig immernoch eine Ausnahme darstellt – das ist es zumindest mir nicht wert einen Mann zu bezahlen dessen Interesse nicht an den Gefühlen seiner Kunden gelegen ist.

So long…

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