Der epidemische ARD-Lügenbericht

Am 30.04.2014 hat das ARD einen Bericht über die vegane »Mangelernährung« und ihre Nahrungsmittel gebracht. Erst wurde hübsch eine Veganerin mit Kind und Kegel gezeigt, die alle total glücklich und zufrieden sind und scheinbar nichts anderes als frisches Gemüse und… vegane Fertiggerichte in sich rein stopfen. DömDömDööööm *hamster stare*, oh mein Gott, frisches Gemüse! Ah ne, warte… Danach kommt die Ernährungsexpertin mit einer Fresse zum reinschlagen und erklärt uns was für’n Scheiß angeblich in veganen Fertigprodukten drin is. Dann noch schnell der Ernährungswissenschaftler, der zig Mängel auflistet und der finale Beweis: eine Ärztin die plötzlich ganz viele Leute behandelt, die sich vegan ernähren. Wer mir sagen kann, was das ARD hätte tun können, um diesen Artikel noch klischeemäßig-minderwertig machen zu können bekommt von mir ne Postkarte.Weiterlesen »

Reisebericht Londong, Teil 4: Die Odyssee des Zaubberers

Wenn ihr Tor, äh ich meine natürlich Teil 1, 2 oder 3 noch nicht kennt, dann könnt ihr sie jetzt nachlesen.

Bei Tage lockt die Metropole mit saubereren Orten als Pubs und einschlägigen Straßen. Auch einige kostenlose Angebote gibt es: eine auf Spenden basierende Tour durch die Stadt, die Nationalgalerie und das British Museum sind ebenfalls kostenfrei. Ein Service den man in Deutschland nicht findet, Museen und Bibliotheken kosten, wer dumm ist muss es bei uns bleiben. Was die Tour angeht… sie ist kostenfrei, die Leute machen das aber trotzdem nicht zu ihrem persönlichem Vergnügen: bereits zu beginn der Tour vermittelt der Führer uns, dass er ein Freund »hochwertigen Papiers mit der aufgedruckten Queen« ist. 5 Pfund sind eine durchschnittliche »Spende« und bei etwa 20 Personen pro Gruppe ist das ein ansehnlicher Lohn. In Deutschland wäre das steuerpflichtig, wie es hier ist weiß ich nicht.

Nachdem ich die Tour mitgemacht habe, weiß ich wie ein Londoner sich fühlt: müde. Plötzlich habe ich mich ohne mein Zutun integriert: Die Ellenbogen zu beiden Seiten leicht ausgefahren und meine Füße fliegen nur so über den Asphalt, dadurch spürt man den pochenden Schmerz in ihnen weniger. Der Blick ist steif und leer auf das jeweilige Ziel gerichtet: Tube-Station → Zug → Sitz- oder Stehplatz im Zug → Restaurant… Und da habe ich realisiert: Es ist nach 15 Uhr. Lunch time ist vorbei und die Restaurants, die ich mir leisten kann haben alle geschlossen. Eine weitere Stunde wanke ich durch die Gegend komplett vom Russell Square bis Kings Cross und zurück. Endlich entdecke ich »The King of Falafel«. Hier kostet zwar der Teller extra, man darf ihn jedoch nicht mitnehmen. Schön; immerhin kennt die Dame am Tresen das Wort »vegan« und dessen Bedeutung.
Ich bin von mir erschrocken, selbst die Straße überquere ich wie ein Londoner: Man drückt das Knöpfchen an der Ampel und zählt zehn Herzschläge ab. Das Höchste der Gefühle an Wartezeit. Danach geht man schnellen Schrittes sofort los, sobald eine winzige Lücke im Verkehr ist. Auf Grün wartet hier niemand, in Deutschland würde mich das jedes Mal 10€ kosten.

Ich kann diese Stadt nur hassen, da bleibt mir keine Wahl. Wenn ich schnaube kommt es schwarz heraus; das hatte ich zum letzten Mal als ich aushilfsweise in einer Lackiererei gearbeitet habe. Ich bin ohne erkennbaren Grund hundemüde, mein Schlafrhythmus ist völlig durcheinander gekommen. Nicht nur, dass sich niemand für meine Existenz interessiert, das ist ja auch in deutschen Städten so, aber man nimmt mich nicht einmal wahr; nicht als Menschen zumindest: Stehe ich einem im Weg, bin ich nur ein Hindernis und wenn ich jetzt in der U-Bahn anfangen würde sopran zu singen würden die Leute mich keines Blickes würdigen. Ein englischer Blogger hat’s ausprobiert.
Wenn jemand lächelt oder glücklich zu sein scheint gibt es dafür eine von nur vier möglichen Erklärungen: 1. er ist Tourist und weniger als zwei Tage hier, 2. er ist minderjährig und weit entfernt von der Mündigkeit, 3. er nimmt mindestens ein Antidepressivum oder 4. er ist verliebt; wie verliebt man sich in einer Menschenhorde die in eine Richtung marschiert? – Die Antwort erhalte ich prompt: In der U-Bahn-Station auf der Rolltreppe tippt mir eine gutaussehende schwarze Frau auf die Schulter. Sie sagt mir, dass ihr mein Hut sehr gefiele. Ich fühle mich geschmeichelt und erzähle ihr, dass ich hier im Urlaub bin. Eine Rolltreppenfahrt in London dauert bis zu sechzig Sekunden, viel Zeit zum quatschen. Speeddating auf Britisch. Immerhin bin ich scheinbar nicht ganz unattraktiv für die Londoner, das rettet wir den Tag.

Doch der nächste ist versaut. Und wie sehr ahne ich noch gar nicht. Es ist Tag der Abreise und Wehmut überkommt mich. Wir haben noch einige Stunden in London und besuchen das »Monument of London«. 311 Stufen bis zur Spitze, hoch oben wird man mit einer phänomenalen Aussicht auf die Stadt belohnt. Ich sehe »the Gherkin« und kann mir nicht helfen, auch von hier sieht das Gebäude eher aus wie der Butt Plug Gottes als eine Essiggurke. Ich sehe die Tower-Bridge und das »Eye of London«, die Themse und Wehmut überkommt mich. Eigentlich ist diese Stadt gar nicht so schlecht. Aber das auch nur von oben, unten in den Gassen ist es nach wie vor grauenvoll. Ich starkse die Treppen herunter und habe mein »Brügge-sehen-und-sterben-Erlebnis«: ein dicker US-Amerikaner und seine dicke Familie quälen sich die schmalen Stufen hinauf. Ich kann es nicht fassen und muss mich in die Wand drücken um sie durch zu lassen. Ob sie wohl die Spitze erreicht haben? Wie kann man nur so bescheuert sein?
Unten angekommen erhält man ein Zertifikat, welches bestätigt, dass man die 311 Stufen gemeistert hat. Das und die Aussicht für nur 3 Pfund. Die besten 3 Pfund, die ich in London ausgegeben habe. Klare Empfehlung für alle, die fit genug sind hoch zu marschieren.

Doch es wird Zeit. Ich verkaufe meine U-Bahn Karte an eine britische Touristin für ein paar Pfund. Sie war nur kurz da und die Karte reichte noch perfekt für ihren Aufenthalt und ich bekomme noch etwas Geld raus, Win-Win. Dann gehen wir da hin wo der Bus uns abholen soll, der uns zum Flughafen bringt. Wir verlaufen uns zwar, sind aber zeitig an der Haltestelle. Und warten und warten. Zweifel regen sich in mir. Als der Bus endlich kommt ist es eigentlich schon zu spät. Wir fragen nach und erfahren, dass bei denen die Busse an dieser Haltestelle nie bis zur ausgemachten Uhrzeit warten. Sie fahren immer schon vorher los. WHAT THE FUCK!?
Um die Geschichte kurz zu machen: wir kommen verspätet am Flughafen an. Wir rennen. Wir sind verspätet am Gate und rennen. Aber es ist hoffnungslos. Jede Sekunde, die ein Flugzeug am Boden ist verliert die Gesellschaft Geld. Ryanair wartet nicht. Auf niemanden und obwohl die Treppe des Fliegers noch unten ist erlaubt man uns nicht noch an Bord zu hechten. Gefangen im beschissenem London.

Terravision ist das Busunternehmen. Es bricht den Vertrag dadurch, dass sie ihre Busse nicht zur vereinbarten Zeit an der Haltestelle sind und redet sich damit raus, dass man den Transfer so buchen muss, dass man zwei Stunden vor Abflug am Airport ist. Die dämlichste Scheiße, die ich je gehört habe. Terravision jedoch schaltet auf stur und beantwortet nicht einmal mehr unsere E-Mails. Niemals wieder Terravision!
Wir saßen also am Flughafen fest, abends. Und die ganze Nacht, der nächste Flug geht erst am nächsten Tag. Also buchen wir online für viel Geld einen neuen Flug und müssen feststellen, dass die Drucker an den öffentlichen Computern defekt sind. Wir müssen das Ticket woanders drucken lassen, wofür man uns 10 Pfund pro A4-Seite abknöpft. Mich überrascht gar nichts mehr. Immerhin der Spar-Markt hier hat günstiges Wasser. Die Nacht auf dem Flughafen war grauenvoll, doch sie ging auch vorbei. Am nächsten Tag bemerken wir hinter der Sicherheitskontrolle öffentliche PCs mit… funktionierenden Druckern. Ich hasse, HASSE, HASSE diese Stadt!

Reisebericht London, Teil 3: Parks und Pubs

Also wenn ihr Teil 1 und 2 noch nicht kennt, dann wird’s aber Zeit.

Zeit für einen Depressionsvergleich: Ich bin bei 9,5 von 10. Wenn ihr mich überbieten könnt frage, ich mich warum ihr euch noch nicht umgebracht habt. Aber meine Hochachtung für die Ausdauer. In der Bar des Hostels hier wird gerade eine besonders gut aussehende Schwarze von einem besonders ekelhaftem Russen aufgegabelt. Ich schätze wer bis halb fünf in der Nacht noch kein Date hat, kann nicht wählerisch sein. Das Problem habe ich nicht. Mein Tag ist voll von Dates. Die Parks dieser Stadt sind nicht nur weniger dicht von Gaunern besiedelt, sondern auch das Schönste an London. In der Tat so schön, dass ich sie alle besuchen möchte. Leider reichen dafür Zone 1 und 2 der Traveller Card nicht aus, aber was ich mitnehmen kann nehme ich mit. Im Hyde Park blüht zwar kaum etwas (Februar und so), aber es hängt trotzdem ein Rosenduft in der Luft. Das wenige was blüht, wird von den zahlreichen Eichhörnchen ein wenig angenagt. Hier bin ich zuhause. Der Hyde Park ist toll, nur die Stadt stört. Städte stören immer, London ganz besonders, weil sie eine Stadt der Kontraste ist. Man kann nicht einfach sagen London sei furchtbar oder es sei wundervoll. Man kann kein Pauschalurteil abgeben. Gerade das was der Mensch am liebsten tut, funktioniert hier also nicht.
Die Gebäude in einigen Stadtteilen sind außerordentlich schön bis prunkvoll. Geht man weiter nach Westen kommt man in eine Steampunk-Kulisse in der viele in teilweiser Armut leben. Die Stadt ist auch so riesig, dass sie sich das erlauben kann: die einen Stadtteile werden ausgebeutet; Steuern ohne Gegenwert. Straßen werden kaum instand gehalten, Häuser verdrecken und niemand interessiert sich dafür. Der Sitz der Arbeiterbewegung ist eine Scheißekuhle geblieben. Eine Petrischale für neue Revolutionen, wenn nicht bereits die freie Meinung dermaßen untergraben worden wäre, dass es nur noch eine Meinung gibt. Ich bin am Ort des Geschehens von 1984. Orwell hat uns gewarnt aber hier hat ihn niemand gehört. Bald werden die Kameras in jeder Wohnung installiert und der 0-8-15 Londoner wird sich noch viel sicherer fühlen können.
Währenddessen fließen die Steuergelder in die schönen Teile der Metropole um eben jene zu erhalten. Dort ist nicht alles picobello, aber verfallene Gebäude sucht man vergeblich. Die privilegierten Wenigen sitzen hier und treiben ihre Scherze mit dem Ungeziefer der unteren Ebenen. Das Musical ist da ausgesprochen präzise. Allein dieser Song spiegelt die Londoner Gesellschaft bis heute wieder. London muss uns ein Beispiel sein, ein negativ Beispiel, damit wir sehen was wir in Deutschland besser machen müssen.
Genug der politischen Traktate, wenden wir uns wichtigeren Dingen zu, denn der Trip ist noch nicht zu ende, oh nein, was wäre ich froh wenn dem so wäre.

Zur Touristenabwehr haben die Londoner sich etwas besonderes einfallen lassen: Eine Art Super-Krankheit hat uns – das heißt meinen Kumpel und mich – befallen: Schwindel, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Lethargie und Müdigkeit suchen uns seit der Landung heim. Keiner weiß warum, nicht einmal das Internet. Da heißt es Zähne zusammenbeißen und durch. Aber wodurch? Durch die Zeit die man hier ist. Zumindest für mich gilt das. Mein Kumpel will dringend mal in einen Pub, ich will nur… was will ich eigentlich? Ich weiß es gar nicht so genau. Ich gebe mir mit ihm die beleuchtete Tower Bridge und hoffe, dass ich dann einfach zurück aufs Zimmer kann. Die Abgase in den Streßen und Tunneln der U-Bahn sind sicher genauso gesund wie ein zehnminütiger Aufenthalt unter Wasser. Wie die Londoner leben können verstehe ich sowiso nicht, was mir Kopfzerbrechen bereitet ist die Frage, wie sie überleben können.
Nach einem kurzen Schläfchen am Abend werde ich rüde von einem
Mitschläfer geweckt, genau zur rechten Zeit, was erstaunlich ist, da unsere Mitschläferrin mich noch eine Stunde zu lange wach gehalten hat. Es ist 3 Uhr morgens und scheinbar schläft London doch schon. Eine Internetsuche liefert keine brauchbaren Ergebnisse nach Pubs die noch geöffnet hätten. Es bleibt wohl nur die Commercial Street, oder ich setze mich unter einem Vorwand ab und verschanze mich auf dem Klo.

Hier geht es zum vierten und letzten Teil.

Wahnsinn – Jetzt braucht Deutschland nicht mehr zu denken!

Es ist furchtbar, so furchtbar. Man geht abends schlafen und hofft auf das Beste und am nächsten Morgen stellt sich heraus, dass das Schlimmste eingetreten ist: Deutschland ist Weltmeister der Idioten geworden. Die Idiotenkönige bekommen jetzt mehr Geld als der einfache Arbeier sich überhaupt nur vorstellen kann, aber trotzdem himmelt gerade er sie an. Aber er bekommt ja auch etwas dafür: die süße Erleichterung nicht mehr denken zu müssen. Denn warum noch denken, wenn deutschlands Fußball-Nationalmannschaft Weltmeister ist, oder? Ach was, wir sind Weltmeister, WIR! Wie kann man nur so völlig retadiert sein? Wir. Wer ist wir verdammt? Dieses ganze Nationalgefühl wird der Welt noch Kopf und Kragen kosten. Nationalitäten sind der Grund weshalb Soldaten Kriege ausfechten, könnt ihr das nicht sehen? Wenn der einfache Soldat mit dem M16 oder G9 oder was auch immer wissen würde, dass Abdul mit der Kalashnikov genau so ein Mensch ist wie er, würde er dann noch schießen? Nein.
Schonmal etwas vom Weihnachtswaffenstillstand gehört? Im ersten Weltkrieg haben die Soldaten in Frankreich zusammen Weihnachten gefeiert. Die größte Sorge der Offiziere: Würden die Soldaten am nächsten Tag noch den Abzug ziehen können. Also diese ganze Sache mit dem Nationalgefühl ist schonmal für die Tonne.
Was ist mit der Aushebelung des klaren Menschenverstandes? Warum kann plötzlih niemand mehr denken, wenn der Verein den er – warum auch immer vergöttert – gewinnt? Tja. Das ist ein sehr altes Prinzip. Sehr, sehr alt. Man nennt es »Brot und Spiele«. Es bedeutet: Man gibt den Leuten genug zu fressen und etwas banales, woran sie sich erfreuen können, schon kann man ihnen noch mehr Blut abpressen. Die Bevölkerung evon was auch immer nimmt sehr viel mehr Leid und Entbehrungen in Kauf wenn es genug zu Essen hat und etwas findet, woran es Freude haben kann. Auf diese Weise kann man viel einfacher etwas durchsetzen, was eigentlich niemand so richtig wollen kann. Wir erinnern uns: 28. Juni 2012 – Deutschland ist nach Feiern zumute. Die Presse kennt nur noch Fußball und der Rest Deutschlands auch. Doll ist das ne wah? Was ist noch passiert, außer dass »Deutschland« gegen »Italien« spielt? Ach ja, der Bundestag beschließt das Meldegesetz und verrät damit den Datenschutz. Eine Diskussion gibt es nicht. Die gab es vorher. Jetzt war der Beschluss angenommen, die Würfel sind gefallen, tritratrullala und genau wie bei der NSA: niemand solls Ahnen erfährt es der Rest Deutschlands erst einige Zeit später. Das war ein riesen Skandal, aber den größten Vorwurf kann man wirklich nur den Idioten machen, die vergessen was wirklich wichtig ist, wenn die anderen Idioten irgendwo gegen Bälle tretten. Man darf gespannt sein, was diesmal wieder so durchgeboxxt wurde.