Farm 432

Gerade gelesen: Eine gewisse Katharina Unger hat ein Gerät namens »Farm 432« erfunden. Es handelt sich dabei im Prinzip um einen Kasten wie man ihn für die Kresse-Zuckt kennt. Nur werden mit diesem Ding Fliegen gezüchtet. Genau, Fliegen. Diese lästigen Dinger die wir zu hauf in der Wohnung rumfliegen haben sobald der schöne Winter geht und der grausame Sommer kommt. Nicht ganz, diese Farm soll die schwarze Soldatenfliege züchten, deren Larven offenbar ganz köstlich sein sollen.

Aber um den geradezu abartigen Geschmack der Frau Unger geht es gar nicht, eher um ihre Begründung für diese Innovation. Frau Unger spricht nämlich von erhöhtem Fleischbedarf. Die Fleischproduktion müsse sich bis 2050 verdoppeln um den Bedarf zu decken. 10 Kg Futtermittel würden nur 1000 g Rindfleisch oder 3 Kg Schweinefleisch oder 5 Kg Hühnerfleisch ergeben. Zumindest stimmt, dass es ineffektiv ist pflanzliche Nahrung zu verfüttern; Veganer wissen das schon lange. Aber Frau Unger hat einen tollen Plan: die proteinhaltigen Larven sind scheinbar die Alternative zu Fleisch, denn mit 10 Kg Futtermittel bekäme man 9 Kg Insekten heraus.

Toll. Fantastisch. Bahnbrechend. Nicht. Hier das Update: 10 Kg Futtermittel ergeben 10 Kg Nahrungsmittel. Bei veganer Ernährung. Und dafür würden sogar heimische Felder ausreichen. Mit veganer oder wenigstens teilweise veganer Ernährung kann sich die Menschheit noch über lange Zeit hinweg ernähren. Mit den verfügbaren Ressourcen. Und die Idee einer veganen Ernährung ist – zumindest hierzulande – noch weniger abwegig als sich von Larven zu ernähren.
Den wahren Nutzen dieses Gerätes (welches nach einem postmodernem Sextoy aussieht) hat die Erfinderin selbst nicht erfasst: einige Interessenten in Raumfahrt und Medizin möchten damit Insekten züchten die Brandwunden versorgen. McCoy hat ausgedient, jetzt kommt das Sextoy, ich meine natürlich die »Farm 432«.

Die Präsentation des Sextoys ist übrigens auch ganz prächtig. Im Video zur Funktionsweise schlüpfen die Insekten aus der »Birthday Box« und schwirren dann in diesem Insektenknast mit »Homey Smell« und »Water« und »Baby Tube« herum. Oh ja, der Insektenknast ist übrigens der »Fly Fun Park«. Warum? Ich kann nur mutmaßen, denn wie die roten Herzchen andeuten sollen, machen die Fliegen darin Liebe (Sextoy, ich sag’s ja). Das ist natürlich eine bescheuerte Verharmlosung von dem was man Kopulation nennt. Die Fortpflanzung der meisten Tiere hat nichts mit Spaß zu tun. Teilweise ist es sogar ein brutales Spiel, das mit dem Tod eines Geschlechtspartners endet. »Safe, sane and consensual« ist also doch auch nur ein menschliches Konzept, damit beim BDSM Spielchen eben keiner Schaden erleidet.
Wie auch immer, die Larven landen jedenfalls in der Röhre und werden in den »Kindergarden« abtransportiert. Noch so ein menschliches Konzept… Dann geht’s üder die »Stairway to Larve Heaven« aufwärts. (Also ehrlich! Muss man auch noch Led Zeppelin mit in diesen Sumpf zerren?) Und dann? Ja dann… Dann stürzen die Larven in die »Harvest Box«. Ich nenne sie aber lieber Larve Hell. Dort werden sie vom Menschen genommen und gefressen. Und dann ist alles hinfällig was zuvor so hübsch human dargestellt wurde! Dabei wird auch deutlich was mit »Larve Heaven« eigentlich gemeint ist: nichts weiter als der Tod. Apropos Tod, was passiert eigentlich mit den Fliegen? Während die Larven im »Kindergarden« (das wird nicht übersetzt verdammt, Kindergarten bleibt Kindergarten!) kommen die adulten Insekten in die »Death Trap and Toilet«. Erinnert mich an »Mord auf dem Abort« von Versengold.

Jetzt mach ich erstmal ein- bis zweihundert Facepalm und begebe mich dann in meine Todesfalle. Ich habe auch schon die eine oder andere Fliege totgeschlagen, aber diese Farm – ich nenne es Massenvernichtungsanlage (und natürlich Sextoy) – ist doch wirklich etwas viel für meinen empfindlichen Magen.

So long…

Quelle: http://www.kunger.at/161540/1591397/overview/farm-432-insect-breeding

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„Speed-Education“ von FAZ-Lesern

Die FAZ hat es getan: Einen Artikel zum Thema veganem Leben in der FAS gebracht. Zuvorderst der Link zum Artikel: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/lebensmittel/lebensmittel-deutschland-land-der-veganer-12574490.html
Warnung: Der Artikel selbst ist insgesamt okay, aber wenn man die Kommentare liest, wird man ganz schnell wütend. Darum will ich hier auch weniger den Artikel, als viel mehr eben jene Kommentare aufklären. Ich mache das hier, weil ich es im Grunde nur los werden will. Ich weiß, dass ich von Zeit zu Zeit konventionell essende Besucher habe, die aufgeschlossen genug sind über den Tellerrand zu schauen, und wenn ich euch erreiche, habe ich mein Soll erfüllt. (Ich habe auch keine Lust zig verschiedene Diskussionen parallel zu führen. Vor allem nicht mit den Besuchern auf FAZ.net, no Sir!)

Melvin Schneider sagt:
Da es so viele Aspekte gibt, könnte es tatsächlich sein, möchte man Verhaltensweisen gegeneinander aufwiegen, dass jemand, der Fleisch ist und dicke Autos mag, ein wesentlich „gutmenschlicheres“ Leben führt, weil er z.Bin anderen Aspekten sozial-empathisch handelt.“
Das ist gut gedacht, aber ich glaube nicht, dass das Karma so funktioniert. Wenn derselbe Mensch erst einen Menschen tötet und danach jemanden vor dem sicheren Tod bewahrt, ist er trotzdem ein Mörder. Das Leben ist keine Waagschale, in die man alles wirft und dann mal schaut, ob man gut oder schlecht ist. Und darum geht es doch auch gar nicht. Es geht nicht darum, dass man sich als Gutmensch fühlen soll/kann, wenn man vegan lebt. Es geht darum, dass man Teile der Nahrungsmittelindustrie nicht gutheißt und diese daher meidet.

Arthur Attmann lässt verlauten:
man muss es sich halt auch leisten können. […] Heute gibt es in der Bild am Sonntag (noch nicht verboten) einen seitenlangen Bericht über Vitaminpräparate und warum sie unsinnig sind. […] Da es [Vitamin D] nur mit Hilfe der Sonne in der Haut entsteht und viele im Winter wenig Sonne sehen, gibt es bei vielen einen Mangel an Vitamin D. Aber auch den kann man bekämpfen: mit fettem Fisch und Eiern.
Da muss der Veganer nun immer mit freiem Oberkörper durch den Winter laufen und kann sich nicht mal an den Inuit trösten. Für die war Fleisch das einzige Gemüse…“

Punkt 1: Vegan ist gar nicht teurer als konventionell, zumindest unterm Strich nicht. Was im Artikel beschrieben wird, sind Extrema. Das wird sich hoffentlich mit der Zeit einpendeln, wenn das Angebot weiter wächst und der Markt sich normalisiert. Und überhaupt muss es doch auch dem überzeugtesten Fleischesser mal auffallen: Ein TK-Hähnchen aus der Truhe im Supermarkt ist günstiger als ein Laib Brot. Brot wird aus einem der häufigsten Futtermitteln gewonnen. Das Huhn hat exakt das, was im Brot steckt, wochenlang gefressen und ist trotzdem günstiger.
Punkt 2: Blah, blah, blah. Dummes Gewäsch, aber was erwartet man von einem Bild-Leser auch sonst? Vitamin D steckt auch in pflanzlicher Nahrung. Zwar in einer anderen Form ist aber dennoch da. Margarine und Pilze (okay, das sind keine Pflanzen, aber vegan sind sie) enthalten große Mengen. Das Sonnenlicht erledigt den Rest. Ein Vitamin D Mangel ist möglich, aber es ist keine immerwährende Gefahr. B12 ist interessanter, denn das muss man wirklich durch Ergänzungsmittel aufnehmen. Das tut der durchschnittliche Veganer aber sowieso, da er sich sehr viel bewusster darüber ist, was er braucht als der durchschnittliche Omnivor.

Hektor Andressen meint:
„“Melken ist Folter“, sagt der Tierfreund
Da kann sich der engagierte Tierfreund ja mal auf einem Hof mit Milchwirtschaft umschauen, wie es den Kühen so ergeht, wenn sie nicht regelmäßig gemolken werden… Man fasst es einfach nicht, was menschlichem Denken so entspringt!“

Lass mich das umformulieren: Melken wollen ist Folter. Schon richtig, eine Kuh mit so prallem Euter, dass die Milch bereits heraustropft, hat Schmerzen. Aber das ist kein natürlicher Zustand. Kuhmilch ist die Muttermilch von Kühen und für die Kälber gedacht. Eine Kuh, die nicht regelmäßig schwanger ist, gibt auch keine Milch. Pralle Euter kommen in der Natur nicht vor (solange das Kalb überlebt), in der Milchwirtschaft dagegen sehr wohl: Auf Viehmärkten. Kühe werden vorher wochenlang nicht gemolken, damit die Euter auf die potenziellen Käufer attraktiv wirken. Unfassbar wie-di-wie-di-wie sich Leute ihre Welt machen, dass sie ihnen gefällt…

Marie Gruber wirft in die Runde:
„Eines ist sicher um wirklich täglich eine genüssliche Speise zu essen ist der Aufwand bei veganer Kost mehrfach aufwändiger.“
Falsch. Mein Blog beweist hoffentlich das Gegenteil. Wenn nicht brauche ich noch ein paar „Casual-Rezepte“ für jeden Tag. Auf jeden Fall ist vegan nicht komplizierter oder aufwändiger, es ist nur anders. Und Umlernen kann aufwändig werden. Das dauert aber keinen Monat, wenn man sich intensiv damit beschäftigt.

Dietmar Blum ist sich sicher, es handle sich um:
„Propagierter „Lifestyle“, dem sich „hippe“ Hohlköpfe nicht entziehen können, da momentan „In“!“
… und beweist damit eine erstaunliche Ignoranz. Der Vegetarismus ist sehr alt und war im antiken Indien und Griechenland bereits bekannt. Der Veganismus ist nicht so alt, aber modern ist er auch nicht unbedingt: Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es die Idee hinter der veganen Ernährung. 1923 stellte die „Vegetarian Society“ fest, dass ein perfekter Vegetarismus beinhaltet, dass keine tierischen Produkte verzehrt werden. Die „Vegan Society“ wurde 1944 gegründet. Also durchaus keine ganz neue Erfindung. Dass momentan verhältnismäßig viele Menschen die vegane Ernährung und Lebensweise entdecken, macht sie nicht zu „Hohlköpfen“, sondern zu Menschen, die über ihre Nahrung nachdenken und fragen stellen. Das ist so ziemlich das genaue Gegenteil eines Hohlkopfs.

Das war das Wichtigste, zu der Zeit, als ich den Artikel aufgerufen habe. Nochmal tu ich mir das aber glaub ich nicht an.
(Montag Nachmittag: Verdammt, ich kann mich nich auf die Korrektur konzentrieren, wenn ich das Pipi Langstrumpf Introlied höre. XD
Zwei Minuten Später: Verdammt, wie konnte ich nur denken, mit dem schwedischen Original ginge es besser? xD)

‚Malcolm in the middle‘

Seit ich mich vegan ernähre, lebe ich in der Mitte zwischen vielen anderen Parteien. Auf der einen Seite haben wir die Radikalen Fleischfresser. Auf der anderen Seite haben wir ALF.[1] Wobei ich jetzt mal nicht wertend sein möchte; das Wort radikal benutze ich hier in seiner eigentlichen Bedeutung. Es ist abgeleitet von „radix“ (lat. für Wurzel) und hängt daher mit dem Sprichwort „das Problem an der Wurzel packen“ zusammen. Wobei wir auch mal dahin gestellt lassen, was für ein Problem das ist.
Ich kann mich jedenfalls mit keiner dieser Fraktionen identifizieren und ich will es auch nicht. Ich bin weder der Ansicht, dass der Mensch durch seine „Überlegenheit“ dazu berechtigt ist Fleisch zu essen, noch bin ich der Meinung, dass er durch seine Moral dazu verpflichtet ist keine tierischen Produkte zu essen. Ich bin einfach der Meinung, dass es einen Vertrag zwischen Tier und Tier geben muss. Dieser Vertrag ist so simpel, wie er alt ist: Tier M(ensch) gewährt dem Tier A ein schönes, sorgenfreies und vor Gefahren geschütztes Leben, M ernährt und pflegt A. Im Gegenzug nimmt M die Produkte des A während und das Fleisch nach seinem Leben. Dabei beschneidet M das natürliche Verhalten und Leben des A so minimal wie möglich. – Das ist heutzutage natürlich idealistisches Gewäsch, das ist mir auch klar, darum ernähre ich mich ja zu über 99 % der Zeit vegan. (Würde es rückblickend aber wohl auch in jeder anderen Zeit tun, da die Landwirtschaft für mich nie so war, wie ich es für richtig halte. Zumindest nicht solange die Geschichtsschreibung zurück reicht.)
Natürlich lässt es sich nicht vermeiden mit dieser Einstellung zur Zielscheibe von beiden äußeren Parteien zu werden. Vorab habe ich zur Veranschaulichung eine kleine Grafik erstellt:

'Malcolm in the middle'

Da fehlen natürlich noch Tausende Splittergruppen, aber es war mir wichtig die Gruppen herauszustellen, die meiner Ansicht nach die Hauptgruppen sind. Kurz zur Klärung: Alle konventionellen Esser sind als Fleischfresser bzw. Omnivore bezeichnet. Der Grund, weshalb das bei den Veganern nicht zutrifft, ist, dass es einen Unterschied gibt, ob man sich vegan (herbivor) ernährt, oder ob man vegan lebt. Diesen Unterschied gibt es auf der Seite aller konventionellen Esser naturgemäß nicht.

Wie man ganz schön sieht, stehe ich genau in der Mitte. Aber warum sind nicht die Vegetarier in der Mitte, denn sie sind doch eigentlich genau zwischen konventionellen Essern und Veganern, oder? – Ja und nein. Es gibt inzwischen so viele verschiedene Arten von Vegetariern, die alle unterschiedliche Dinge essen, dass ich den Oberbegriff „Vegetarier“ willkürlich irgendwo hinsetzen musste, aber mit Tendenz zu den Omnivoren. Unter anderem auch, weil Milchprodukte in der Intensivtierhaltung Tierleben fordern… Viele Tierleben.
Aber warum sind dann nicht wenigstens die in der Mitte, die sich vegan ernähren? – Das ist einfach, obwohl ich mich vegan ernähre, esse ich wie gesagt ganz selten Tierprodukte. Außerdem esse ich durchgehend Honig von kontrollierten Bio-Imkern. Aber das ist ein anderes Thema, wer darüber mehr wissen will kann dort einige meiner Gründe erfahren: http://vollwertkochbargelsenkirchen.blogspot.de/2011/02/vegan-leben-und-honig-essen.html
Meine herbivoren Kollegen sind jedoch nur eine Handbreit von mir entfernt. ;-)
Und wo ist eigentlich PETA? Die kennt doch jeder und sollte daher aufgeführt werden? – Ich kann mich nicht so ganz entscheiden, wo ich PETA einordnen soll. Ich persönlich sehe sie irgendwo zwischen intolerant und radikal, da sie eine sehr klare Linie vertreten, nämlich, dass nur Tierschützer sein kann, der veganer ist. Ich weiß aber nicht genau ob das nur auf die gegenwärtige Situation bezogen ist, oder allgmein. Und weil ich PETA nicht gut genug kenne um sie zuordnen zu können habe ich sie raus gelassen.

Was mich besonders stört, ist, dass es scheinbar viele gibt, die sich immer mehr nach links oder rechts auf der Leiste begeben. Die Leute scheinen mir immer intoleranter zu werden und andere nicht mehr zu akzeptieren. Die meisten Menschen werden natürlich im Bereich „Aufgeschlossene Omnivore“ anzutreffen sein, das sind die Menschen, die zwar konventionell essen, aber die vegane Ernährung nicht verurteilen, oder sogar daran interessiert sind. Diese Menschen trifft man in fast allen Gesellschaftsgruppen an.
Wenn man in etwas traditionellere Bereiche geht, wird es schon komplizierter, ich habe letztens sogar den Spruch „ich bin ein richtiger Deutscher und esse richtig“ im Bekanntenkreis gehört. Schade, dass es so etwas gibt, aber zum Glück sind längst nicht alle so. Und man kann andere auch ein wenig in die andere Richtung ziehen. Meinen Vater beispielsweise habe ich inzwischen so weit, dass er mich nicht mehr verurteilt. Aber das habe ich nicht mit Radikalität geschafft. Ich habe zu meiner Überzeugung gestanden, Flagge gezeigt. Ohne dabei jedoch aktiv zu werden.
Passiver Widerstand funktioniert natürlich nicht immer, manchmal muss man auch aktiv werden. Doch egal wo auf dem Balken ihr steht, seid euch stets darüber im Klaren, dass ihr als Feind gesehen werdet, sobald ihr aktiv werdet. Und mit Feindschaft bewirkt man ganz selten etwas Gutes. Darum würde ich mir wünschen, dass sich mehr Leute zu den toleranten Veganern, oder auch zu mir gesellen. Wir sind hier nicht alleine, aber es sind noch zu wenige. Ihr müsst euch auch nicht bei mir auf die Schultern stellen, es reicht schon, wenn ihr euren Platz daneben findet. Ob omnivor oder herbivor, ob Vegetarier oder Veganer spielt doch erstmal keine Rolle. Wichtig ist ein friedliches Miteinander. Je aufgeschlossener alle sind, desto besser wird diese Welt.


[1] Nach „Malcolm mittendrin“ jetzt die nächste alte Sitcom? Alf, unser aller lieblings Außerirdischer, dessen Leibspeise Katzen sind? Natürlich nicht. ALF steht für „Animal Liberation Front“. Sucht danach und ihr werdet ein paar sachen finden. Wobei hier zwar nur ALF erwähnt wird, aber es gab auch andere radikale Tierrechtsgruppen.

Gewalt erzeugt Gegengewalt

Ohje, der nächste. Wir können langsam eine lange Schlange bilden und Eintritt verlangen: Immer häufiger lese ich ganz furchtbaren Mist von Omnivoren, wie auch von Herbivoren. Sarkasmus, Hohn, Vorwürfe und schlechtes Gewissen sind an der Tagesordnung. DERP!

Auslöser war diesmal nachstehend verlinkter Posting, den ich auch nur über Mausflaus’ Blog gesehen habe: http://textpluswebdesign.de/blog/vegetarier-veganer-tot/
Wie gesagt: Auslöser, Ursachen gibt es sehr viel mehr.

Was ist bitte in die Leute gefahren? Ist denn alle Welt verrückt geworden!?
Die Argumente von einigen Fleischfressern sind der größte Schwachsinn, den sich ein Mensch seit dem Ententanz je ausgedacht hat, aber gibt das dem Veganer das Recht auch noch seinen Verstand in der Garderobe aufzuhängen? Alle beide: In einen Sack und drauf hauen, man trifft nie den Falschen, denn keiner ist besser als der andere.
Auch wenn die Argumentation des anderen dämlich ist und einen womöglich sogar beleidigt, sobald man darauf anspringt und seinerseits zurück faucht, gießt man nur Öl ins Feuer.

Je mehr vegan zum Trend wird – sexy Attila Hildmann sei Dank – desto mehr rasten eingeschworene Fleischesser aus. Warum? Ich habe nur zwei schlappe Erklärungen:
Ausbruch aus der kollektiven Schuld? […] Schlechtes Gewissen?

Da fehlt der Autorin womöglich da psychologische Gespür. Die wenigsten Konventionellen dürften sich überhaupt mehr Gedanken als nötig darüber machen. Wozu? Bei jedem Bissen ein Vorwurf und Futter für das schlechte Gewissen? Nein. Hier ist ein viel naheliegender Grund: Der Konventionelle fühlt sich bedroht.
Warum ist das so? Na ganz einfach: Wenn man irgendwas anders macht als der Gegenüber MUSS man klarstellen, dass man nicht über die Lebensweise des anderen urteilt und keine Missionsarbeit leisten will. Alles andere provoziert und zwingt den Anderen doch geradezu in eine Abwehrhaltung. Der Omnivor möchte nicht, dass ein Veganer ihm ein schlechtes Gewissen macht und das verdammt nochmal zu Recht: Ein schlechtes Gewissen macht langfristig krank. Es ist auch niemals der einzige Grund für eine Umstellung der Ernährung, weil ein schlechtes Gewissen eher lähmt als antreibt.

Ich habe auch schon erlebt, dass andere gegen meine Ernährung argumentiert haben. Natürlich! Jeder Veganer kennt das. Doch wenn man klarstellt, dass man nicht über den anderen richten will und stattdessen kompetent die Fragen beantwortet kommt man zu einer wichtigen Erkenntnis: 99 % aller Menschen wollen einfach nur wissen, WIE es funktioniert. WIE man als veganer ohne Mangel leben kann. Und da ist es egal, ob es aufgeschlossene Fragen oder direkt Argumente gegen vegan sind, treibende Kraft ist die Neugier. Also nicht immer sofort angegriffen fühlen, wenn euch irgendjemand komisch kommt, bis auf wenige Ausnahmen ist kein wirklicher Angriff beabsichtigt.
Wenn mir ein Übergewichtiger meinen Tod vorhersagt, mache ich mich nicht über sein Gewicht lustig, sondern erkläre ruhig und sachlich, warum er damit vermutlich falsch liegt. Wenn ich ihm sage, dass er der viel wahrscheinlichere Kandidat ist, muss ich mich nicht wundern, wenn er weiterhin unfreundlich bleibt. Und wenn jemand schon denkt, dass es „veganisch“ oder „veganesisch“ heißt, dann bedeutet das nur, dass die Person sich damit überhaupt nicht auskennt. Also: Bildungsauftrag wahrnehmen.

Ebenso verblüffend wie unverschämt: Menschen, die selbst zu keinerlei Verzicht bereit sind, verlangen von mir im Gegenzug die totale Askese[.]

Dasselbe wie eben. Zugegeben: Es ist nervig, auf seine Lederwaren angesprochen zu werden. Aber auch wenn es noch so nervt, kann man einfach darauf verweisen, dass man eben nicht vegan lebe, sondern sich nur vegan ernähre. Denn den Unterschied kennen sehr viele Leute nicht und darum machen sie diesen Fehler. Aufklärung statt Gegenbeschuldigung, das ist der bessere Weg. Miteinander, statt gegeneinander.

Man will mir mit allen Mitteln beweisen, dass ich keine Heilige bin. Dabei ist das überhaupt nicht nötig. Es gibt noch genug zu tun – auch in meinem Leben. Das weiß ich. Ich bemühe mich.

Perfekt. Das zeugt von Selbstreflektion. Aber das muss man auch mitteilen. Fehler eingestehen und  dazu stehen. Jeder der sich wie ein Heiliger gibt wirkt arrogant und mit dem will man nicht wirklich was zu tun haben. Also klar stellen, dass man sich nicht als besseren Menschen betrachtet, nur weil man keine Tiernahrung zu sich nimmt. Das schafft Sympathie. Denn wie kann man Akzeptanz von jemandem erwarten, den man selbst nicht akzeptiert?

Wer den Veggie-Day als unerträgliche Bevormundung empfindet, der kann ja heimlich zu Hause noch ein Würstchen essen und sich über diesen kleinen persönlichen Staatsboykott ins Fäustchen lachen. Revolution!

*seufz* Wenn man so provoziert muss man sich wirklich nicht wundern wenn einen kein Konventioneller mag. Wenn ich als Braunschweiger in Hannover mit einem kompletten Outfit in den Farben Blau-Gelb mit ner roten Raubkatze auf der Brust rein marschiere und erstmal verkünde wie scheiße Hannover 96 doch sei, finde ich da auch keine Freunde mehr. (Ich mag Fußball übrigens nicht und mir sind beide Vereine völlig egal.)
Meine Meinung zu dem „Veggie-Day“ habe ich bereits kundgetan, aber ich sage es auch gerne noch einmal: Alles, was auch nur noch so entfernt nach Zwang riecht, formiert quasi von selbst eine radikale Opposition. Bildung und Aufklärung ist der bessere Weg.

So… Jetzt hat eine Veganerin die volle Ladung abbekommen. Aber ich will abermals klarstellen: Ich könnte viele der genannten Punkte auch auf einige Omnivore anwenden.
Und noch eine kleine Geschichte von meiner Seite:

Gelegentlich kommt es vor, dass ich mit anderen Konventionellen und z. T. Leuten, die ich gar nicht kenne, zusammen irgendwo diniere. Natürlich kündige ich der Küche dann lange vorher an, dass ich komme und bitte um eine vegane Alternative zu den servierten Speisen. Meist ist das kein Problem, wenn das vorher angekündigt ist. Meist bekomme ich dann auch nicht nur matschigen Brokkoli mit Kartoffeln, sondern wirklich ansehnliche Speisen. Einmal war es eine Pilzpfanne bestehend aus Pfifferlingen. Pfifferlinge! Das ist der Hauptgewinn und der Neid ALLER Tischnachbern war mir gewiss. Ich höre dann immer wieder Aussagen wie: „Ich glaub ich werd auch Veganer.“ Das ist perfekt. Das ist doch eine drölfzillion mal besser, als die Leute abschätzig anzuschauen und ihnen zu erklären, dass sie grausame Tiermörder seien.
Und ich garantiere euch: Wenn ohne jeden „Veggie-Day“ Bullshit auf den Speiseplänen der Kantinen eine vegane Pilzpfanne mit reichlich Pfifferlingen erscheinen würde, nicht wenige würden sie bestellen.

So long…

Ein paar Gedanken zur Jagd 1

Jäger habe ich als überaus sture Zeitgenossen im Gedächtnis. Leider stellen sie eine sehr engstirnige Gesellschaftsgruppe dar, was ihnen selbst zu allem Überfluss nicht einmal bewusst ist. Aber mangelnde Selbstreflektion fehlt ja vielen Menschen. Wie gesagt: Leider. Ich würde gerne mal mit einem aufgeschlossenem Jäger debattieren, aber alle die ich kenne sind wie gerade beschrieben.

Was mich an Jägern sehr stört, ist, dass sie ein Talent dafür haben ihre Tätigkeit einerseits zu verharmlosen und andererseits noch gesamtgesellschaftlich notwendig darzustellen. Wenn man nicht aufpasst, kommt am Ende dabei heraus, dass der Jäger so eine Art Retter der Menschheit ist. Ein Heiliger geradezu. Und da ich wie gesagt keinen kenne bei dem nicht alles darauf hinaus läuft habe ich so das Gefühl das ist wesentlicher Bestandteil der Ausbildung.

Bestandsbegrenzung
Beginnen wir mit dem bei weitem häufigstem Argument. Es wird häufig als Erstes geführt. Ich habe in meiner Schulzeit mal einen fehlgeleiteten jungen Rowdy erlebt, dessen Vater (?) Jäger war oder ist. Genau wie schlechte Angewohnheiten und Parteizugehörigkeit wird sowas scheinbar ganz gerne vererbt. Dieser arme Bursche hat jedem erzählt der es nicht hören wollte, dass allein durch die Jäger die Wälder nicht überquellen vor Wildtieren. – Klar, Genozid dient ja auch einem ähnlichem Zwecke, darum brauchen wir ganz dringend einen in jeder Region der Erde… (Sarkasmus-Alarm!)

Warum könnte man eigentlich auf die Idee kommen, wir würden Gefahr laufen zu viel Wild in den Wäldern zu bekommen, wenn wir keine Jäger hätten? Darauf hat der geübte Jäger eine treffliche Antwort: Es fehlt dieser Tage an Raubtieren. Das ist natürlich richtig, Wölfe und Bären beispielsweise haben wir leider kaum noch. Während es bei Bären ganz düster aussieht, gibt es ja noch die wage Hoffnung, dass sich Wölfe irgendwann wieder in Deutschland heimisch fühlen dürfen.
Aber in diesem Zusammenhang muss man dringend darauf hinweisen, dass Wölfe auch gerne mal „versehentlich“ erschossen werden. Wölfe dürfen in Deutschland nicht gejagt werden, aber Unfälle passieren immer wieder. Wir kommen darauf nochmal zu sprechen.

Und Bären? Was ist mit Bären? Nun ja… JJ1, oder auch Bruno genannt, war 2006 der erste Braunbär, den man seit über 170 Jahren in Deutschland gesichtet hat. Man hat ihn dann halt erschossen. Aber was hätte man auch tun sollen? Man hat zwar erst die Jagd erlaubt, das aber aus reiner Tierfreude und gar nicht auf Druck der Öffentlichkeit zurück gezogen. Und dann hat man immerhin vier Wochen versucht ihn lebend zu fangen. Mehr hat man nun wirklich nicht tun können. Man muss den Tatsachen ins Auge sehen: Der Bär war ein Problem und „es kam direkt auf uns zu!“
http://www.southparkstudios.com/clips/149674/its-coming-right-for-us

Drei Tage nach der Abschussfreigabe war sein, äh ich meine natürlich das Leiden der Menschen beendet. Wen wundert es denn, dass wir so wenige Wildtiere in Deutschland haben, wenn diese erschossen und tlw. sogar gejagt werden? Das lässt im Grunde nur eine Schlussfolgerung zu: Der Mangel an Wildtieren ist keine Ursache, es ist ein Symptom! Ohne Jäger hätten wir mehr Wildtiere: Die Alten wären noch da und die neuen würden keinen Jagdunfällen zum Opfer fallen.
Aber dass unsere Wälder ohne Raubtiere und Jäger komplett überfüllt wären, darf stark bezweifelt werden. Irgendwann gibt es einfach kein Nahrungsangebot mehr, woraufhin Tiere sterben, was wiederrum die Anzahl begrenzt. Ganz ohne Raubtiere. Die schwächsten Tiere würden dann zuerst verenden. Das ist ethisch nicht minder schrecklich, aber der natürliche Lauf des Lebens.

Fortsetzung folgt.

Ich wollte das eigentlich in einem Teil rausbringen, aber dann war plötzlich Samstag. Nun wird es (voraussichtlich) ein dreiteiliger Post. Dies läuft wieder unter „Mein Standpunkt“, statt unter Magazin. Also vorsicht: Politisch inkorrekt und überaus polemisch. Jäger, beweist mir das Gegenteil und hört auf euch als Retter der Menschheit darzustellen! –  Welcher Jäger wird denn schon Jäger weil er den Bestand begrenzen will? Also ehrlich, das klingt nicht nur in meinen Ohren wie eine billige Rechtfertigung, oder? „Um einmal im Jahr ein Stück Rehrücken mit Apfelrotkohl zu essen“ würde ich eher akzeptieren als das.